22.10.2010 (fjh)
Leichte Gehirnerschütterungen haben gravierende Langzeitwirkungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Mediziner und Psychologen aus Marburg und Münster jetzt vorgelegt haben. Der Untersuchung zufolge leiden die Betroffenen noch nach sechs Jahren unter erheblichen Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Fähigkeiten.
"Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kann nach relativ geringen Erschütterungen beim Sport, im Haushalt, nach Auffahrunfällen oder Stürzen auftreten“, erklärte Projektleiter Dr. Carsten Konrad. Bis zu 3 Promille aller Menschen sind betroffen.
Für Patienten, die eine Gehirnerschütterung erlitten haben und danach emotionale oder kognitive Beeinträchtigungen bemerken, ist es häufig schwierig, ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen oder Unfallgegnern durchzusetzen. Nach der gängigen Lehrmeinung bleibe eine Gehirnerschütterung nämlich ohne Langzeitfolgen.
Das interdisziplinäre Autorenteam um Konrad liefert nun Hinweise darauf, dass diese Auffassung falsch sein könnte. Die Wissenschaftler nahmen Patienten unter die Lupe, die ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten.
Diese Personengruppe haben die Wissenschaftler psychiatrisch, neuropsychologisch sowie mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT) untersucht. Die Resultate sind in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Psychological Medicine" nachzulesen.
Patienten nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma zeigten im Durchschnitt nach sechs Jahren mittelstarke bis starke Beeinträchtigungen in verschiedenen neuropsychologischen Bereichen wie Lernen und Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen. Auch depressive Symptome waren nach Gehirnerschütterung häufiger. Bei Probanden, die kein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, zeigte sich kein derartiger Befund.
"Wir können ausschließen, dass die beobachteten Beeinträchtigungen sich durch depressive Symptome oder suboptimales Leistungsverhalten erklären lassen“, führte Konrad aus. Die Ursachen der Langzeitwirkung sind unbekannt.
pm: Philipps-Universität Marburg
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