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Rund eröffnet


5 Tage lang Deutscher Orientalistentag

20.09.2010 (jnl)
Der 31. Deutsche Orientalistentag (DOT) in Marburg startete am Montag (20. September) mit hohen Teilnehmerzahlen. 850 Personen hatten sich angemeldet.
Beim Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Thomas Bauer platzte die Alte Aula der Philipps-Universität aus allen Nähten. Sein Thema "Musterschüler oder Zauberlehrling - wieviel Westen steckt im modernen Islam?" traf offenbar einen Nerv.
Der Münsteraner Professor kritisierte überdies Fachkollegen, die seiner Auffassung nach zu wenig zwischen Islam und Islamismus unterschieden. Im Kollegenkreis des die Tagung ausrichtenden Centrums für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität traf seine Einschätzung auf breite Zustimmung.
Bis einschließlich Freitag (24. September) wird es jeden Tag rund 30 fachwissenschaftliche Vorträge geben. Die meisten von ihnen finden in Seminarräumen und Hörsälen der Philosophischen Fakultät (Phil. Fak.) am Krummbogen statt.
Nur für Fachfremde überraschend ist, dass auch Afrikanistik, Sinologie und Japanologie zu den auf dem DOT vertretenen wissenschaftlichen Disziplinen zählen. Das kommt daher, dass das Fachgebiet Orientalistik eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition besitzt. Seit jener Zeit sind Afrika und ganz Asien unter dem Oberbegriff "Orient" im Fokus der Forscher.
Am Mittwochnachmittag wird die seit 1845 bestehende fachwissenschaftliche Deutsche Morgenländische Gesellschaft ihre Jahresversammlung abhalten.
Die beiden größten Sektionen des DOT sind nach wie vor die Islamwissenschaft und die Indologie. Besonders spannend sind laut Dr. Leslie Tramontini vom Veranstalter-Team mehrere "Panels", die das eigene Wissenschaftsverständnis thematisieren.
Für die fachfremde Marburger Öffentlichkeit zugänglich und interessant sind vor allem drei Abendveranstaltungen am Montag (20. September) und am Donnerstag (23. September).
Der Vortrag des Islamismus-Experten Prof. Dr. Gilles Kepel aus Paris fand im Hörsaal des Geografischen Instituts an der Deutschhausstraße statt. Der Raum war überfüllt.
Am Donnerstag (23. September) um 18 Uhr darf man sich entscheiden, ob man lieber einen Vortrag über "Vergleichende historische Mythologie" im geografischen Institut oder eine Podiumsdiskussion über "Die Deutsche Islam-Konferenz - Chancen und Risiken" in der Phil. Fak. besuchen möchte. Vortragender über Mythologie wird Prof. Dr. Michael Witzel von der Harvard-Universität sein.
Während des DOT finden in der Philosophischen Fakultät drei Ausstellungen statt. Eine kommt aus Beirut, eine vom Marburger Japan-Institut und die dritte von der Religionskundlichen Sammlung in Marburg. Im Foyer des Japan-Zentrums gibt es noch eine vierte Präsentation über Carl Orff zu sehen.
Das überaus umstrittene Buch des Ex-Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin über "Multi-Kulti" wird auf der DOT-Tagung offiziell keine Rolle spielen. Das versicherten drei Professoren aus dem Leitungsteam der Veranstaltung.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge kritisierten sie, dass zu jenen Talkshows im Fernsehen nie echte Fachwissenschaftler aus ihren Reihen eingeladen waren. Buch-PR für diesen Polit-Banker zu machen, sei aber wirklich nicht ihre Aufgabe.
Jürgen Neitzel
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