12.09.2010 (jnl)
Wie sahen eigentlich die öffentlichen Busse in Marburg früher aus? Die - am Samstag (11. September) und Sonntag (12. September) im Haus der
Afföllergemeinde gezeigte - Ausstellung "110 Jahre Nahverkehr in der Universitätsstadt Marburg" war ein Knüller für Freunde der Lokalgeschichte.
Die - von dem 30-jährigen Nahverkehrs-Enthusiasten Martin Klehm konzipierte und überwiegend aus eigener Sammlung bestückte - Ausstellung zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in Marburg zeigte reichhaltiges Dokumentar-Material aus über 100 Jahren.
Sechs - vier Meter lange - Stellwände zeigten zahlreiche Fotos. Darüber hinaus gab es mehrere Meter Vitrinen voller historischer Fahrpläne, Fahrschein-Beispiele und Schaffner-Geräte. Vor dem Rundkurs hingen eine kleine Anzahl früherer Dienstjackets an einer Leine überkopf.
Das Hauptaugenmerk der meisten Besucher richtete sich aber auf die - teilweise sehr alten - Aufnahmen mit Schienen, Straßenbahnen, Trolleys und Bussen aus der Marburger Stadtgeschichte. Immer mal wieder hörte man kleine Rufe des Erstaunens, wenn erneut ein Betrachter eine Örtlichkeit wiedergefunden hatte, die er aus der Erinnerung kannte. Manch eine davon existiert heute nicht mehr, da der Krieg oder die Abrissbirne Gebäude haben verschwinden lassen.
Weitgehend unbekannt für die meisten heutigen Menschen, die sich nicht besonders beschäftigt haben mit der Geschichte des Marburger Nahverkehrs, waren die historischen Fotos und Informationen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein großer Teil dieser alten Fotografien stammen ursprünglich aus der Sammlung des verstorbenen Karl Salzmann.
1899 eröffnete erstmals ein Fuhrunternehmer eine regelmäßig verkehrende Personenbeförderung vom Bahnhof Marburg in die Innenstadt. Das geschah mit einer Pferdebahn.
Schon bald zeigte sich, dass die Kapazität dem Bedarf einer Stadt von der Größe Marburgs nicht angemessen war. Schon wenige Jahre später erfolgte daher die Anschaffung einer elektrifizierten Straßenbahn.
Als auch sie sich als überlastet erwies, ging man ab 1951 zu Oberleitungsbussen und wenige Jahre später zu diesel betriebenen Bussen über. Den Fachkundigen unter den Besuchern - meist ehemalige Busfahrer und Stadtwerke-Angestellte - waren sogar die technischen Details der abgebildeten - ihnen von früher vertrauten - Fahrzeuge genau bekannt.
Mit den - die meiste Zeit anwesenden - Ausstellungsmachern konnte man leicht ins gespräch kommen. Klehm gab ohne Weiteres zu, dass die eigene Website des Vereins "Nahverkehrsgeschichte"
www.diemarburger.de zu wenig bekannt sei und die Information zur Ausstellung nur über die
Oberhessische Presse (OP) gelaufen war. Künftig will er verstärkt darauf achten, Ankündigungen auch in den Veranstaltungskalender des Marburger Magazins
Express zu setzen.
Klehm als der Jüngste unter den Aktiven des Vereins und zugleich Vorstandsmitglied der Afföllergemeinde äußerte sich insgesamt zufrieden mit dem Besuch der Veranstaltung. Er betonte, dass sein historisches Foto-Material ausreichen würde, sogar eine weitaus größere Ausstellung zu bestücken.
Jürgen Neitzel
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