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Wild und witzig


GBAL feierte 30. Geburtstag

29.08.2010 (fjh)
"Matten-Charly ist inzwischen eher ein Platten-Charly." Mit dieser Beschreibung charakterisierte ein Besucher der GBAL-Fete am Samstag (28. August) diw Haartracht des ehemaligen AStA-Vorsitzenden Heinz-Jürgen Hörster.
Gut 80 ehemalige Aktive der Grün-bunt-alternativen Liste (GBAL) hatten sich im Kulturladen KFZ eingefunden, um den 30. Geburtstag ihrer Liste zu feiern. 1980 hatte Frank Schwalba-Hoth die GBAL gegründet. 1981 kandidierte sie erstmals für das Studierendenparlament (StuPA) und den Konvent der Philipps-Universität.
Noch im Herbst des selben Jahres zog die GBAL in den Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) ein. AStA-Vorsitzender wurde "Charly" Hörster.
1982 folgte ihm Dietmar Göttling, der gleich zwei Jahre lang im Amt blieb. Göttling ist heute Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung (StVV) der Stadt Marburg.
Der spätere AStA-Vorsitzende Hermann Ruttmann ist heute evangelischer Pfarrer in der bayerischen Landeskirche. Auch er wurde von der GBAL für dieses Amt nominiert.
Viele Ex-GBALler sind heute gut situiert. Zwei sind Pfarrer, andere Lehrer, Hochschullehrer, Sozialarbeiter, Ärzte oder Therapeuten, Rechtsanwälte oder Verwaltungsjuristen.
Drei ehemalige GBALer arbeiten in leitenden Funktionen der Medienbranche. Eine Ex-GBALerin brachte es zur Bundestagsahbgeordneten. Peter Erlanson ist heute Fraktionsvorsitzender der Linken in der Bremer Bürgerschaft.
Zwei ehemalige Aktive sind heute Bürgermeister mittelgroßer deutscher Städte. Ein früherer Mitstreiter ist sogar Vorstandsvorsitzender eines Börsen-notierten Unternehmens.
Gemeinsam ist allen aber die Erinnerung an die frühen 80er Jahre, als die GBAL mit originellen Sponti-Aktionen in Marburg und auch außerhalb auf ihre politischen Inhalte aufmerksam machte. Mit der ersten Nack-Demo Deutschlands gegen Mittelkürzungen im Bildungsbereich beispielsweise kamen Hörster und rund 30 weitere Entkleidete bis in Rudi Carells "Tagesshow".
Mit einer "Pro-Reagan-Demo" nahm das damalige AStA-Friedensreferat 1983 die bedingungslose Gefolgschaft der Bundesregierung gegenüber dem NATO-Doppelbeschluss aufs Korn. Durch das Kaufhaus an der Universitätsstraße nahm ein Demonstrationszug 1981 nach der polizeilichen Räumung den kürzesten Weg zu den vorher wegen der studentischen Wohnungsnot besetzten Häuser an der Wilhelmstraße.
Doch nicht die Erinnerungen von Revolutions-Opas standen im Mittelpunkt des Treffens. Vielmehr diskutierten die Anwesenden über aktuelle politische Themen und ihre jeweilige Einschätzung dazu.
Gut 280 Aktive umfasst die Liste der GBAL. Diese Zahl verdeutlicht, wie stark das politische Engagement in der ersten Hälfte der 80er Jahre die Studierenden bewegte.
Mit einem Ratespiel der besonderen Art knüpfte ALT-Aktivist "Kasi" an die Sponti-Tradition von damals an. Er zeigte Fotos verschiedener Aktivistinnen und Aktivisten, auf denen die Abgebildeten nicht leicht zu erkennen waren. Beispielsweise hielt Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle seinen Führerschein vor sich, der ihn mit langen Haaren und jugendlichem Gesicht zeigte. Bei anderen Fotos hatte Kasi einfach den Kopf abgeschnitten.
An diesem Abend wurde viel gelacht und viel gesungen oder gedacht. Die Stimmung der Aktionen und Demonstrationen gegen nukleare Wiederaufbereitungsanlagen im bayerischen Wackersdorf oder im nordhessischen Frankenau kam ebenso wieder auf wie die Erinnerung an großartige Konzerte des AStA-Kulturreferats mit den österreichischen "Schmetterlingen" oder der Berliner Band "Ton, Steine, Scherben". Auch den Auftritt von Joe Cocker in der Mensa am Erlenring unterstützte die GBAL seinerzeit sehr tatkräftig.
Obwohl die Geburtstagsfeier bis 5 Uhr in der Nacht angedauert hatte, trafen sich die meisten Besucher am nächsten Morgen noch einmal im Cafe "Roter Stern" Am Grün. Viele scheinen immer noch mit der alten Konstitution gesegnet zu sein.
Franz-Josef Hanke
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