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Krampf der Geschlechter


Offene Zweierbeziehung in der Waggonhalle

27.05.2010 (fjh)
Eine "offene Zweierbeziehung" verlangt beiden Partnern viel Toleranz, Gleichmut und Größe oder noch mehr blinde Ignoranz ab. Die "Offene Zweierbeziehung“ von Dario Fo und Franca Rame verlangte Inga Berlin und Uwe Lange am Mittwoch (26. Mai) in der Waggonhalle einiges schauspielerisches Können ab.
Vor vollem Haus spielten sie ein in die Jahre gekommenes Ehepaar. Der Man geht fremd und fühlt sich recht wohl dabei. Die Frau aber leidet darunter, dass er sie nicht mehr begehrt und jüngere Frauen bevorzugt.
Immer wieder wandte sich Berlin ans Publikum, dem sie ihre Erlebnisse und Gefühle auf witzige Weise vermittelte. Mituntr hatte das Stück schon kabarettistische Qualitäten, was sich immer wieder durch Lacher im Publikum bemerkbar machte.
Der Mann ist natürlich kein Spießer. Und so rät er selbst seiner Frau, sich doch auch einen Liebhaber zu suchen. Vielleicht sogar einen Jüngeren?
Nachdem sie ihm einige Szenen gemacht und sogar mit Selbstmord gedroht hat, versucht die Ehefrau schließlich doch, sich einen Mann zu angeln. Chancen hat sie allerdings nur bei Männern über 80.
Hoffnungsfroh lädt sie dann doch einen Freund ihres Sohns in ein Cafe ein. Doch als der Kellner dort fragt, was es denn für den Sohn sein solle, nimmt sie unverrichteter Dinge wieder Reißaus.
Um nicht einsam herumzusitzen, sucht sie sich eine eigene Wohnung und geht arbeiten. Dreimal täglich kommt ihr Mann vorbei: Zu den Mahlzeiten!
Als sie ihm dann aber von ihrer neuen Errungenschaft erzählt, dreht sich der Spieß plötzlich um. Nun ist er eifersüchtig auf ihren Geliebten. Erneut kommt es zu komischen Szenen.
Das Lustspiel des italienischen Literatur-Nobelpreisträgers und seiner Ehefrau hat Matze Schmidt angemessen auf die Bühne gebracht. Geradezu sinnbildlich wirkte ein Laufsteg, der die Zuschauerreihen in zwei Hälften teilte und auf dem die Darsteller ihre häufigen Monologe und die seltenen Dialoge vortrugen.
Zwischen den – meist eher kurzen – Szenen erklang Poppmusik, die in der Regel immer thematisch zu dem Vorangegangenen passte. So ertönte "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang, nachdem die Ehefrau angekündigt hatte, ein Bordell aufzumachen.
Zu der Musik tanzten die beiden Darsteller dann miteinander. Hier hätten ein wenig mehr Choreografie und Können aber durchaus gutgetan.
Auch wenn die Vorlage nicht immer ganz auf der Höhe der Zeit ist, so ist Schmidt doch eine einigermaßen moderne Umsetzung gelungen. Auch die beiden Darsteller verkörperten ihre Rollen als in die Jahre gekommene Eheleute durchaus glaubwürdig.
Insgesamt war es ein kurzweiliger und lustiger Abend, den das Publikum mit langanhaltendem Applaus quittierte. Die älteren Besucher mögen sich hier und da in die 70er und 80er Jahre zurückversetzt gefühlt haben, während das jüngere Publikum die heitere Warnung vor drohender Langeweile in der Beziehung wohl eher belustigt aufgenommen haben dürfte. Immerhin war die gut einstündige Inszenierung für fast jedes Alter passend.
Franz-Josef Hanke
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