26.05.2010 (fjh)
Marburger Geisteswissenschaften stehen im Blickpunkt der Präsentation auf dem Hessentag 2010 in Stadtallendorf. Er findet von Freitag (28. Mai) bis Sonntag (6. Juni) statt. Die
Philipps-Universität ist mit dabei.
Bereits am Samstag (29. Mai) diskutieren Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause und der Virologe Prof. Dr. Stephan Becker das Thema "Marburg impft die Welt - Forschung an der Philipps-Universität Marburg". Die Veranstaltung findet ab 14.45 Uhr im Rahmen der Landes-Ausstellung in der Halle 1 statt.
Parallel dazu präsentieren sich während des gesamten Hessentags ausgewählte Geisteswissenschaften auf dem Gemeinschaftsstand des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) ebenfalls in Halle 1. Die Projekte, die die Uni am Stand D1.10 in Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität und der Hessen-Archäologie präsentiert, belegen nach Ansicht der Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann "eindrucksvoll, welchen Erkenntnis-Gewinn die Beschäftigung mit Papier, Schrift und Wort bringt. Zu Unrecht stehen die Geisteswissenschaften gelegentlich ein wenig im Schatten anderer Disziplinen, denn Erkenntnis-Gewinn ist immer dann besonders groß, wenn er ganzheitlich ist."
Gedruckte Leichenpredigten aus der Zeit zwischen Reformation und Aufklärung ermöglichen oft verblüffend umfassende Einblicke in das Leben vor 300 bis 400 Jahren. Sie bilden mit detaillierten Angaben zu familiären Verhältnissen, Schul- und Berufsausbildung, Reisen, Krankheiten und persönlichen Erlebnissen des Verstorbenen den Alltag zwischen 1550 und 1750 auf einzigartige Weise ab.
Im deutschsprachigen Raum sind mehr als 300.000 Leichenpredigten überliefert. Seit 1976 ermittelt und katalogisiert die Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität diese biografischen Quellen, um sie für eine Nutzung zugänglich zu machen. Die Forschungsstelle ist eine Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz.
Das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas der Universität Marburg präsentiert beim Hessentag das Projekt "REDE". Sprechen und Sprache erscheinen vielen als etwas Natürliches und Selbstverständliches. Dabei wird Sprache von ganz unterschiedlichen Faktoren beeinflusst.
Die Region, in der die Sprache gesprochen wird, ist nur einer davon. Aber auch das soziale Umfeld beeinflusst den Umgang mit Sprache.
Die Sprachwissenschaft beschäftigte sich bisher hauptsächlich mit der sogenannten Hochsprache und mit alten Lokal-Dialekten. In den Alltagsgesprächen der Menschen dominieren aber "moderne Regional-Sprachen". Diese Formen des regional geprägten Sprechens zwischen Dialekt und Hochdeutsch werden in dem Projekt „regionalsprache.de“ (REDE) flächendeckend für ganz Deutschland untersucht.
Als dritten Schwerpunkt beantwortet das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde spannende Fragen: Wie zersplittert war Hessen vor der Französischen Revolution? Warum wurden Flurstücke "Dragoner", "Flüchtling" oder "Türke" genannt? Was ist ein "Sturzeboller"? Wie waren die Kinder in Hessen vor dem Ersten Weltkrieg gekleidet und wie sah Stadtallendorf bei Kriegsende aus?
Darüber hinaus veranstaltet das Ministerium am Mittwoch (2. Juni) um 10 Uhr einen Comic-Zeichen-Workshop mit Artur Klose in der Turnhalle auf dem Platz der Streitkräfte. Um 11 Uhr gibt es im Festzelt der Bundeswehr einen Poetry Slam von und mit Lars Ruppel.
pm: Philipps-Universität Marburg
Text 3906 groß anzeigenwww.marburgnews.de