09.01.2008 (sts)
"Wir müssen zu einem partnerschaftlichen Miteinander von Politik und Hochschulen zurückfinden“, forderte die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicola Beer. In der Milchbar des Studentenwerks sprach die 37-jährige Rechtsanwältin am Mittwoch (9. Januar) vor rund 20 Zuhörern zu den Themen Hochschul- und Forschungspolitik.
Die Liberalen setzen dabei auf mehr Freiheit und weniger staatliche Einflussnahme. Alle hessischen Hochschulen sollen eine voll umfängliche Autonomie erhalten, um ihre spezifischen Profile ausbilden zu können. Das betreffe die Bauherreneigenschaft genauso wie die komplette Personalhoheit.
"Wir müssen den Gremien der Hochschulen etwas zutrauen und nicht - wie bisher - von Wiesbaden entscheiden, was sie zu tun haben“, kritisierte Beer insbesondere den hessischen Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU).
Auch die Frage nach Erhebung von Studiengebühren solle jede Hochschule für sich entscheiden. "Das CDU-Modell von Studiengebühren für alle ist rigide und daher abzulehnen“, sagte Beer. Hochschulpolitisch oder ehrenamtlich tätige Studierende sollten zudem von Studiengebühren befreit werden.
Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) müsse endlich abgeschafft, der entsprechende Staatsvertrag gekündigt werden: "Wir wollen das volle Auswahlrecht für alle Studierenden.“
Über ein umfangreicheres Stipendien-Angebot müssten leistungsstarke Studierende besser gefördert werden. Zudem plädierte Beer für das Konzept von Bildungsgutscheinen, bei dem die Steuergelder nicht - wie bisher - an die Institutionen selbst, sondern direkt an die Lernenden in Form von Gutscheinen gegeben werden. Dadurch würde sich die Konkurrenz-Situation unter den Hochschulen verschärfen und die besten Universitäten hätten dann auch den größten Zulauf an Studierenden.
In der Forschungspolitik habe die CDU-geführte Landesregierung in der vergangenen Legislaturperiode "viele Chancen verpasst“. Hessen habe als Forschungs-Standort in Deutschland und im internationalen Vergleich an Renommee verloren.
Die "besten Köpfe“ würden ihre Chancen lieber im Ausland suchen. "Wir brauchen frühere und bessere Angebote für unsere Nachwuchs-Wissenschaftler“, forderte Beer.
Aufgrund des fehlenden Wissenschafts- und Technologietransfers zwischen Universitäten und Unternehmen landeten zu viele gute Ideen in der Schublade. Weiterentwicklung und Vermarktung müssten Hand in Hand gehen.
Trotz aller Schwierigkeiten würde Beer aber jedem Abiturienten zur Aufnahme eines Hochschulstudiums raten: "Der Abschluss eines Studiums ist immer noch die beste Arbeitslosenversicherung, die es überhaupt gibt.“
Stephan Sonntag
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