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Lebensader Lahn


Marburger Hafenfest begeisterte Tausende

23.05.2010 (fjh)
"So viele Menschen waren noch nie hier", freute sich Oberbürgermeister Egon Vaupel. Am Lahnufer unterhalb der neuen steinernen Tribünen zwischen dem Wolfgang-Abendroth-Steg und der Luisa-Heuser-Brücke eröffnete er am Samstag (22. Mai) das Marburger Hafenfest.
Als das symphonische Blasorchester des VFL Marburg als drittes klassisches Stück die "Wassermusik" von Georg Friedrich Händel vorgespielt hatte, brandete regelrechter Jubel auf. Mit der Taufe des neuen solargetriebenen Lahn-Boots auf den Namen "Elisabeth II" eröffnete Angelika Funk von der Bootswerft in Cölbe anschließend das Themenjahr "Marburg an die Lahn".
Die Sektflasche wurde allerdings nicht am Bug des einstigen Fischkutters zerschmettert; vielmehr goss die Ausbildungsleiterin des Schiffbauprojekts von "Arbeit und Bildung" (AuB) den Inhalt über den Bug. Ein altes Schiff taufe man nämlich nicht genauso wie ein neues, erklärte sie dazu."Die hat wohl Angst, dass der alte Seelenverkäufer auseinanderbricht", witzelte ein Zuschauer, der am Geländer oberhalb des Lahnufers stand und das Geschehen interessiert verfolgte.
Hunderte – wenn nicht gar Tausende – verfolgten bei strahlendem Sonnenschein das Geschehen unten am Ufer und auf dem Fluss.
Funk berichtete von der Vorgeschichte der jetzigen "Elisabeth II". Sie war auf einer Wiese in Norddeutschland gefunden worden, von wo aus sie 2002 nach Marburg gebracht wurde.
Einst hatte der Rumpf einen kleinen Fischkutter beherbergt. In gut einjähriger mühevoller Arbeit hatten Teilnehmende eines Erwerbslosen-Projekts daraus das zwölfsitzige Personenschiff hergestellt.
Angetrieben wird es von einem aus Sonnenenergie gespeisten Elektromotor. Noch ist das Boot offen; doch soll es bis Anfang Juni auch noch ein Verdeck erhalten.
Ein Dutzend ehrenamtlicher Schiffsführer wird die "Elisabeth II" dann die Lahn hinauf und hinunter steuern. Bei der Marburg-Tourismus-Marketing GmbH (MTM) können Interessierte für eine Fahrt zwischen dem Afföller Wehr und dem Weidenhäuser Wehr das Boot buchen.
Bereits in den 20er und 50er Jahren hatte es Schiffe auf der Lahn bei Marburg gegeben. Diese Tradition habe man nun wieder aufgegriffen, erklärte Oberbürgermeister Vaupel.
Dabei habe man auch den Namen des letzten Lahn-Schiffs übernommen. In den 50er Jahren hatte der Kahn den Namen "Elisabeth" getragen.
"Marburg richtet sich am Schloss aus", erläutete Vaupel. "Die Oberstadt schmiegt sich an den Hang des Schlossbergs. Der Lahn dreht die Stadt ihren – ich wage nicht, vor so vielen Menschen dieses unschickliche Wort zu gebrauchen, deshalb sage ich lieber: ihren Rücken - zu."
Vieles habe sich in den vorangegandenen Monaten geändert, berichtete der Oberbürgermeister. Stolz verwies er auf die Treppenstufen anstelle des früheren Damms zur Mensa hin sowie auf die Verlagerung von Parkflächen weg von den Lahnwiesen unterhalb der Uferstraße hin zum Gelände der ehemaligen Brauerei: "Das alles bringt mehr Lebensqualität an die Lahn."
Nach Vaupels Ansprache und der anschließenden Bootstaufe bildete sich ein langer Konvoi unterschiedlichster Schiffe. Voran fuhr die neue "Elisabeth II". Ihr folgten Ruderer, Tretboote, Kanuten, zwei Drachenboote, Segeljollen und Surfer sowie die piepsenden und heulenden Flaggschiffe des Heuchelheimer Schiffsmodellbau-Clubs (HSM).
Über Megafon stellte Dr. Richard Laufner die einzelnen Boote auf amüsante Weise vor. Der Leiter des Fachbereichs Kultur der Stadt Marburg und MTM-Geschäftsführer war einer der Initiatoren des Marburger Hafenfests.
Erstaunlich viele Boote und Schiffe hatten den Weg zum Hafenfest gefunden, um an der großen Eröffnungsparade teilzunehmen. Nacheinander zogen die Kähne am staunenden Publikum vorüber in Richtung Weidenhäuser Brücke.
Beim Tretbootverleih unterhalb des Trojedamms stiegen die Honoratioren aus der "Elisabeth II" aus. Erneut hielt Vaupel eine Ansprache.
Hier verwies er auf die Beteiligung von Künstlern, die ihre Werke entlang des Lahnufers ausstellen. Das Projekt "Lahnorama" bildet einen weiteren Baustein des Themenjahrs.
Bürgermeister Dr. Franz Kahle gab danach weitere Erläuterungen. Während das dichtgedrängte Häuflein meist prominenter Zuhörer seinen Ausführungen interessiert folgte, flanierten Hunderte am Ufer entlang und genossen den Anblick des bunten Treibens auf dem Fluss.
Mehrere Teams spielten von ihren Booten aus Wasserpolo. Tret – und Ruderboote bevölkerten die Lahn so dicht, dass ihre Konzentration nur noch von der der Menschenmassen am Ufer übertroffen wurde.
Eine gute halbe Stunde lang intonierte das Blasorchester des VFL Marburg Klassische Musik, bekannte Ohrwürmer und Film-Melodien. Danach präsentierte die Gruppe "Muchoko" verjazzte afrikanische Rhythmen und heißen Reggae.
Am Ufer entlang und auf den Lahnwiesen standen Buden und luden zum Kaufen oder Essen ein. Wo noch vor wenigen Monaten Autos geparkt hatten, herrschte nun Volksfest-Stimmung."Alles ist im Fluss", lautet eine griechiche Weisheit. Am Pfingst-Samstag war in Marburg wirklich fast alles am Fluss. Das Marburger Hafenfest war der gelungene Auftakt eines vielversprechenden Themenjahrs zur Lebensader Lahn.
Franz-Josef Hanke
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