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Vielstimmige Vielfalt


Nacht der Chöre in der Elisabethkirche

09.05.2010 (fjh)
"Die Kirche steht offen." Mit diesem Satz lud Kantor Nils Kuppe alle Interessierten ein, einmal hereinzuschnuppern.
Es war ein Kommen und Gehen. Aber viele blieben auch länger.
Ihre dritte "Nacht der Chöre" veranstaltete die Elisabethkirche am Samstag (8. Mai). Zahlreiche Vokal-Ensembles aus Marburg und seiner Umgebung präsentierten dabei kurze Ausschnitte ihres Könnens. So wurde der Abend zu einem kleinen >Überblick über das Chorgeschehen in der Region.
Ein Problem vieler Chöre sind die fehlenden Männer. Der Kirchenchor der Lukas-Gemeinde verfügt über nur einen einzigen Sänger. Deswegen war es für den Chorleiter nicht leicht, geeignete Literatur für seine Sängerinnen zu finden.
Mit Josef Güttler (1841 - 1912) hat er jedoch einen Komponisten gefunden, dessen kurzes Oratorium seinen Anforderungen entsprach. Begleitet vom Lukas-Orchester brachte der Chor die Messe auf die Bühne.
Während die Sängerinnen und die Streicher noch ausbaufähige Leistungen lieferten, beeindruckte der Chorleiter selbst durch seinen gekonnten Solo-Gesang. Angesichts seiner profunden Ausbildung war das aber auch nicht allzu verwunderlich.
Präziser und einfühlsamer sangen die Frauen von "Piano Marbach". Chorleiterin Katharina Kutsch berichtete, dass ihr Ensemble als Reaktion auf den örtlichen Männerchor entstanden sei. In der Elisabethkirche präsentierte der Frauenchor neben zwei bekannten Klassik-Stücken auch ein Werk von Daniel Regenberg. Für dessen Witz und die gekonnte Umsetzung erhielt der Chor spontanen Szenen-Applaus und die Rückfrage des Moderators Andreas Bomba vom Hessischen Rundfunk (HR), wie denn die Partitur eines derartigen Werkes aussieht.
Einen Höhepunkt des Abends bildete der gemischte Chor "Halb Acht". Während die anderen Ensembles überwiegend vom Altarraum aus sangen, haten sich die acht Vokalisten dieses Klangkörpers auf der Orgel-Empore postiert.
Wunderbar warme Männerstimmen und ebennso schöne klare Frauenstimmen verzauberten die Zuhörer mit ihrem mehrstimmigen Gesang. Ihre lyrischen Lieder sangen die acht virtuosen Stimmkünstler a Capella.
Ein weiterer Höhepunkt war der Chor des Gymnasiums Philippinum. Unter Leitung von Bianca Nassauer hatten die 80 Schülerinnen und Schüler für diesen Abend Jazz- und Gospel-Songs einstudiert. Normalerweise reicht das Repertoire dieses Schulchors aber durchaus auch in die Klassik hinein, die viele ehemalige Chorsänger nach Nassauers Angaben später viel besser in Erinnerung behalten als Pop, Jazz und Spirituals.
Eine wahre Entdeckung war dabei die Solo-Sängerin Ina Battefeld. Die bildhübsche Schülerin begeisterte das Publikum mit einer powervollen souligen Stimme, die ausgesprochen ausdrucksstark herüberkam.
Auch die zweite Solistin des Schulchors überzeugte durch kraftvollen und ausdrucksstarken Gesang. Beide hätten den Auftritt in einer Kasting-Show angesichts ihrer starken Stimmen nicht scheuen müssen.
Ebenfalls Gospels und Spirituals bilden das Repertoire des Chors "In Spirit". Die meisten Sängerinnen kommen aus der Paulus-Gemeinde. Unterstützt von einem Klavier und afrikanischen Trommeln präsentierten sie unter anderem eine Version von Georg Friedrich Händels "Halleluja". Überzeugen konnten sie indes nur mit einem afrikanischen Lied, das mit Geräuschen des Urwalds begann und sich dann zu einem lebhaften Gesang mit rhythmischem Trommeln steigerte.
Deutsche Kinder- und Volkslieder brachte der Kinderchor des Evangelischen Kirchenkreises Marburg zu Gehör. Zwar trafen die Fünf- bis Siebenjährigen nicht immer den richtigen Ton; dafür sangen sie sich aber mühelos in die Herzen des Publikums hinein.
Beigetragen dazu hat zum Einen die Inbrunst, mit der die Kleinen ihre Texte zu Gehör brachten. So betonte einer von ihnen das Wort "Streit" in grimmigem Tonfall, als die Kinder das Lied "Der Kuckuck und der Esel" sangen.
Einen weiteren Grund für den Erfolg des Auftritts der Kleinen lieferte ihr Kantor. Kuppe forderte das Publikum zum Mitsingen auf: Die rechte Hälfte im Raum sollte den Kuckuck singen, während die andere Hälfte das "I-A" des Esels anstimmte.Gleiches tat Kupppe anschließend auch bei dem Lied "Auf einem Baum ein Kuckuck saß". Wieder stimmte das Publikum an der vorgegebenen Stelle in den Gesang der Kinder ein.
Als Gotthilf Fischer der Elisabethkirche brachte Kuppe damit die gut 250 Anwesenden zum Mitsingen. Offenbar machte das nicht nur den kleinen Sängern mächtig Spaß.
Viele weitere Chöre folgten im Rahmen der Aktion. Sie zeigten auf eindrinliche Weise sehr hörbar, welche Vielfalt an gesanglichen Aktivitäten in Marburg herrscht. Nicht nur das Mitsingen, sondern auch das Zuhören war dabei allergrößtenteils ein wahrer Genuss.
Franz-Josef Hanke
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