29.04.2010 (keb)
Sie seien ja liberal, so verteidigte Universitätskanzler Dr. Friedhelm Nonne am Montag (19. April) in einer öffentlichen Senatssitzung die Entscheidung, der Burschenschaft Arminia für ihre Feier zum 130-jährigen Bestehendie Alte Aula der
Philipps-Universität zur Verfügung zu stellen. Die Burschenschaft Arminia gehört dem Dachverband der Neuen Deutschen Burschenschaft (NDB) an.
"Dass Herr Nonne eine Burschenschaft mit dem Begriff liberal verteidigt,offenbart einen eklatanten Informationsmangel", stellte Wanda Erdmann vom
Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) fest. "Auch wenn die Burschenschaft Arminia nicht dem Dachverband der Deutschen Burschenschaft angehört, indem auch rechtsradikale Burschenschaften organisiert sind, ist sie in keiner Weise als liberal in einem positiven Sinne zu bezeichnen."
Die Referentin für Antifaschismus und Antirassismus im AStA Marburg kündigte studentische Proteste gegen die Raumvergabe an: "Die
Kritik an Elite-Denken, sexistischen und autoritären Strukturen greift hier nach wie vor. Wir fordern die Uni Marburg auf, der Burschenschaft Arminia
keine Räume zur Verfügung zu stellen und kündigen weiteren Protest an."
Die Burschenschaft Arminia ist eine der Burschenschaften, die sich 1996 auf Grund interner Querelen aus der Deutschen Burschenschaft lösten und sich zur NDB zusammenschlossen. Ohne Frage wurde hiermit ein Bruch markiert; doch sieht sich die NDB weiterhin in der Tradition der gesamten "burschenschaftlichen Bewegung" beheimatet.
Auch ihr Wahlspruch "Ehre-Freiheit-Vaterland" blieb als "Freiheit-Ehre-Vaterland". Des Weiteren verschwanden mit diesem Bruchauch nicht jene Eigenschaften,die Studentenverbindungen aus Sicht des AStA per se Kritikwürdig machen.
Auch die Arminia stehe weiterhin für fragwürdige Traditionen und Rituale, ein von Hierarchien und Unterordnung geprägtes Zusammenleben, ein starkesElite-Denken. Es schließe vermeintlich Schwächere aus.
Frauen werden erst gar nicht mitbedacht. Sie haben weiterhin keinen Zugang zu Burschenschaften, auch nicht zu den vermeintlich "liberalen".
All das spreche dagegen, der Burschenschaft Arminia, die für eine konservative und ausgrenzende Weltsicht stehe, Gebäude der Universität zur Verfügung zu stellen. "Unserer Ansicht nach kann es nicht Wille einer Universität wie Marburg sein, den Ausschluss von Frauen, die Bildung von Mittelschichts-Eliten und die Verankerung fester Hierarchien nicht nur zu tolerieren, sondern auch noch zu unterstützen", erklärte der AStA. "Die Marburger Studierendenschaft wünscht sich eine Universität, die alle Studierenden fördert und unterstützt und kritisches Denken ermöglicht."
PM: AStA Marburg
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