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Es ist ignorant


Demonstration zur Amtseinführung von Krause

22.04.2010 (fjh)
Mit einem Festakt in der Aula der Alten Universität hat die Hochschule den bisherigen Universitätspräsidenten Prof. Dr. Volker Nienhaus verabschiedet und die Amtseinführung von Prof. Dr. Katharina Krause gefeiert. Die Veranstaltung wurde von Protesten begleitet, die sich gegen die vom Land Hessen angekündigten Mittelkürzungen im Hochschulbereich wandten. Sie führten dazu, dass die Wissenschaftsministerin vorzeitig abreiste.
"Etwa 500 Menschen versammelten sich ab 14 Uhr nach und nach vor der Alten Aula am Lahntor", berichtete die Polizei Marburg am Donnerstag (22. April). "Durch den Haupteingang drängten gegen 15 Uhr etwa 100 Demonstranten in das Gebäude."
Universitätskanzler Dr. Friedhelm Nonne gestattete 40 Personen aus dieser Gruppe die Teilnahme an der öffentlichen Amtseinführung im Festsaal. Die restlichen Demonstranten blieben in den Gängen davor.
Gegen 15.40 Uhr versuchten etwa 40 Personen, in den Festsaal einzudringen, was die Polizei verhinderte. Dabei wurde niemand verletzt.
Um eine mögliche Gefährdung auszuschließen, brach die Ministerin für Wissenschaft und Kunst ihre Rede auf Anraten der Polizei nach kurzer Zeit ab. Ministerin Eva Kühne-Hörmann verließ ohne weitere Zwischenfälle die Veranstaltung, die anschließend ohne Auffälligkeiten weiterlief.
Während der Kundgebung kam es zu Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt.
"„Die Universität Marburg war und ist im Aufbruch, sie ist in die Farbe der Gegenwart gekleidet." Mit diesen Worten knüpfte die neue Universitätspräsidentin in ihrer Antrittsrede an die Beziehung zwischen Hochschule und Regierung um 1900 an.
Sie nahm die historischen Gemälde in der Aula zum Anlass, um das Verhältnis auszumessen, das seinerzeit zwischen dem Selbstbild der Wissenschaft und der Rollen-Zuweisung durch die Politik bestand. "Das Beharren auf Expertise ist ein nicht unwesentlicher Teil des Eigensinns, den Wissenschaft gegenüber speziellen Erwartungen des Staates und der Gesellschaft aufbringen kann und immer auch muss."
Prof. Dr. Ulrich Raulff hatte zuvor den Festvortrag über "Marburg nach fast vierzig Jahren" gehalten. Der Direktor des Deutschen Literatur-Archivs Marbach teilte darin Erinnerungen an seine Studienzeit an der Philipps-Universität mit.
In seinen atmosphärischen, anekdotenreichen Schilderungen erstand das Bild leidenschaftlichen intellektuellen Lebens, das bei aller unfreiwilligen Komik "dem Mythos der Universität als Gemeinschaft sui generis neues, frisches Leben“ einhauchte. "Die Universität der Jahre nach ’68 stellt sich im Rückblick als ein atmosphärisch ungewöhnlich intensiver, dichter Raum des Austausches über akademische - aber eben nicht nur akademische - Fragen dar.“
Mit einer Reverenz an die Marburger Kunstgeschichte schlug Raulff elegant einen Bogen zur Kunsthistorikerin Krause im Präsidentenamt: "Über dem Hülsen-Haus - nahe den Auen der Lahn - schienen die Sterne immer etwas höher zu stehen als anderswo“, schloss sein Festvortrag: "Mögen sie künftig genauso hell über Ihrer Präsidentschaft leuchten!"
In seiner Abschiedsrede skizzierte Nienhaus noch einmal ganz kurz, wie sich während seiner Präsidentschaft die Hessische Hochschulpolitik auf die Marburger Situation auswirkte: "Die sechs Jahre meiner Amtszeit waren sehr ereignisreich und oft auch turbulent."
Seinen Dank ergänzte der Wirtschaftswissenschaftler mit der Feststellung: "Ich habe die Philipps-Universität als Einrichtung kennengelernt, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hohem Renommee unter zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen national und international wahrgenommene Spitzenleistungen erbringen und innovative Lehrprojekte realisieren."
Seiner Nachfolgerin überreichte er die Amtskette mit den Worten: "Die Zukunft dieser Universität: Frau Krause, das sind Sie!“
pm:Franz-Josef Hanke/pm
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