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Virtuelle Bibliothek


UB digitalisiert ihre gesamten Buchbestände

01.04.2008 (fjh)
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Neubau der Universitätsbibliothek (UB) am Pilgrimstein kann wesentlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Grund dafür ist der Beschluss der UB, ihre Bestände vollständig zu digitalisieren und über das Internet weltweit zugänglich zu machen.
Damit folgt die Philipps-Universität dem Beispiel der renommierten Harvard University. Die amerikanische Elite-Universität will ihre gesamten Bibliotheksbestände digitalisieren und 16 Millionen Bücher und Zeitschriften ins Netz stellen. Alle neuen Veröffentlichungen der Universitätsangehörigen sollen von Vornherein über das Internet publiziert werden.
Auslöser dieser Aktion war Verärgerung der Hochschule über die Preise für wissenschaftliche Publikationen. Die Hochschule müsse Veröffentlichungen ihrer eigenen Angehörigen von den entsprechenden Fachverlagen teuer einkaufen, um sie dann für die weitere wissenschaftliche Arbeit nutzen zu können.
Über das Internet hingegen erhalten Interessierte freien Zugang zu allen Forschungsergebnissen von Harvard-Autoren. Über deren Authentizität und Korrektheit wacht künftig das eigens gegründete "Bureau for scholar Communication".
In Marburg soll die UB diese Aufgabe übernehmen. Sie hat sich der Kritik ihrer amerikanischen Kollegen angeschlossen.
Damit wird die Philipps-Universität nach Harvard die zweite Hochschule weltweit sein, die sich dem Diktat der wissenschaftlichen Verlage entzieht. Für ihre Artikel zahlen sie den jeweiligen Autoren ohnehin kein Honorar. Für ihre Fachzeitschriften verlangen sie aber oft mehrere hundert Euro im Jahr.
Angesichts des erwarteten Ausfalls der Einkünfte aus Studiengebühren verspricht die Kündigung aller Zeitschriften-Abonnements eine willkommene Entlastung des Hochschul-Etats. Damit könnte auch die Präesenzbibliothek viel kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Derzeit gibt es Überlegungen, sie innerhalb der Mauern der alten Frauenklinik unterzubringen.
Die Gremien der Philipps-Universität müssen dem Vorschlag allerdings noch zustimmen. Wegen seiner Brisanz haben sie für die Diskussion darüber Vertraulichkeit vereinbart.
Franz-Josef Hanke
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