31.03.2008 (ms)
Wer wagte "das unerschrockene Wort" ? Auch die Luther-Stadt Marburg sucht wieder Kandidaten für die Preisverleihung 2009. Bereits zum siebten Mal soll am Samstag (25. April) des Jahres 2009 in Erinnerung an das unerschrockene Auftreten Martin Luthers vor dem Reichstag in Worms im Jahre 1521 der Preis "Das unerschrockene Wort"verliehen werden.
Gestiftet haben diesen Preis 14 sogenannte "Luther-Städte". Unter ihnen befindet sich auch die
Stadt Marburg.
Im April 2009 soll die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung in Zeitz überreicht werden. Dort wird der Preis dann bereits zum siebten Mal verliehen.
Der erste Preisträger war der Theologe Richard Schröder, der für seine standhafte Haltung in der DDR geehrt wurde. Im folgte 1999 mit Prof. Dr. Hans Küng ebenfalls ein Theologe. Er erhielt den Preis für die Standhaftigkeit bei der Vertretung seiner Thesen zur katholischen Glaubenslehre. 2001 wurde die Polizeipräsidentin von Eberswalde, Uta Leichsenring, für ihr couragiertes Auftreten gegen rechtsextreme und ausländerfeindliche Übergriffe ausgezeichnet. 2003 erhielt die Superintendentin des österreichischen Burgenlandes Gertraut Knoll den Preis. Ihr Engagement gegen Rassismus hatte sogar Morddrohungen zur Folge. 2005 wurde der Preis dem Schriftsteller und Sänger Stefan Krawczyk zuerkannt. Gegen ihn hatten die SED-Machthaber Berufsverbot verhängt, was ihn aber nicht davon abhielt, in Kirchen aufzutreten. Er wurde 1988 inhaftiert und in den Westen abgeschoben.
Ihre mutige Entscheidung, als gläubige Muslimin gegen alle Widerstände das Kopftuch abzulegen, hatten die Juroren zum Anlass genommen, Emel Abidin-Algan den Preis im Jahr 2007 auf Vorschlag der Universitätsstadt Marburg zuzuerkennen.
Jetzt werden wiederum Kandidaten oder Kandidatinnen gesucht, über deren Preiswürdigkeit eine Jury im November entscheiden wird. Oberbürgermeister Egon Vaupel ruft dazu auf, bis Donnerstag (10. Juli) Vorschläge für die Nominierung zu machen.
In dem von den Lutherstädten 1993 beschlossenen Statut ist die Zielsetzung der Preisvergabe definiert: "Auch in einer Gesellschaft, in der die Meinungsfreiheit Verfassungsrang hat, gibt es vielerlei Gründe, Zwänge, Versuchungen und Hindernisse, die zu einer Einengung und damit letztlich zu einer Bedrohung der freien Meinungsäußerung führen könnten. Wenn aber Opportunitätsdenken, das Bemühen um Anpassung und Konformität und die Scheu vor vermeintlichen Autoritäten überhand nehmen, dann verkümmert der Mut, unüberhörbar das zu sagen, was möglicherweise unbequem ist, der vorherrschenden oder obrigkeitlichen Meinung zuwider läuft, aber um der Wahrheit und Wahrhaftigkeit willen ausgesprochen werden sollte. Daher verdient das freie, unerschrockene Wort Ermutigung und Anerkennung."
Wer als Kandidatin oder Kandidat für den Preis in Frage kommt, ist in den Richtlinien festgelegt: Preiswürdig seien "Frauen und Männer, die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg, in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde, den Staat bedeutsame Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben". Die Preisträger können aus der Bundesrepublik Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommen.
Bei der Preisvergabe sollten "parteipolitische und konfessionelle Gesichtspunkte keine Rolle spielen". Auch allgemeine Unzufriedenheit, querulantorische oder eigennützige Motive oder Demagogie erfüllen nicht das Kriterium des "unerschrockenen Wortes".
Zur Zeit sind 14 Lutherstädte in den alten und neuen Bundesländern aufgerufen, Vorschläge zu sammeln für die Preisvergabe. Wer also eine oder mehrere Personen - ganz gleich, ob schon oder noch nicht prominent - benennen möchte, die preiswürdig sind, sollte dies jetzt tun. Alle Vorschläge mit möglichst ausführlicher Begründung müssen bis zum 10. Juli 2008 bei Oberbürgermeister Egon Vaupel im Rathaus eingegangen sein.
Zur Finanzierung des mit 10.000 Euro dotierten Preises zahlen übrigens alle Mitgliedsstädte einen individuellen Beitrag, der sich an der Einwohnerzahl orientiert in den von der Stadt Worms verwalteten Gemeinschaftsfonds.
pm: Stadt Marburg
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