01.04.2010 (fjh)
Mit geradezu schulmäßiger Zivilcourage befreite ein 25-jähriger Mann eine 23-jährige Frau aus einer sehr unangenehmen Situation. Er ging zu der lautstark rufenden Studentin und nahm sie mit sich. An der nächsten Haltestelle stieg er mit ihr aus dem Bus und erwartete in sicherer Umgebung die benachrichtigte Polizei.
Der Helfer hatte die Übeltäter kurz angesprochen. Dabei hatte er bemerkt, dass ein Gespräch mit ihnen unmöglich war. Daraufhin ignorierte er die jungen Männer und widmete sich ganz dem Opfer.
Die Studentin war von alkoholisierten Jugendlichen in einem Linienbus bedrängt, ans Knie gefasst und auf die Wange geküsst worden. Der Vorfall ereignete sich am Montag (8. März) gegen 18.45 Uhr in einem Stadtbus der Linie 2 zwischen der Universitätsstraße und dem Rudolphsplatz.
Die junge Frau saß bereits im Bus, als an der Universitätsstraße zwei augenscheinlich betrunkene Jugendliche einstiegen. Einer fiel gleich auf, weil er im Bus stürzte.
Dieser junge Mann setzte sich neben die Frau und klemmte sie damit sozusagen auf ihrem Sitz ein. Der andere Jugendliche setzte sich auf die Bank dahinter.
Sofort kam es zu anzüglichen Bemerkungen. Sie gipfelten in der Berührung des Knies und dem Versuch eines Kusses auf die Wange der Studentin.
Das Opfer verbat sich dieses Verhalten und forderte die beiden jungen Männer auf, sich anderswohin zu setzen. Das führte nur zu weiteren Drohungen.
Von der offenkundigen Ablehnung und dem gleichzeitigen Rufen um Hilfe angelockt, ging ein mitfahrender 25-jähriger Fahrgast zu den Streithähnen. Nachdem er sie kurz angesprochen und festgestellt hatte, dass ein geändertes Verhalten von ihnen nicht zu erwarten war, wandte er sich sofort der jungen Frau zu. Er forderte sie auf, mitzukommen.
Dann führte er sie nach hinten im Bus. Dabei ignorierte er die beiden Täter. Auch durch ihre Drohungen und Versuche, ihn einzuschüchtern, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und nicht verleiten, sich ihnen zuzuwenden.
An der nächsten Bushaltestelle verließ er mit der Frau den Bus und erwartete die benachrichtigte Polizei. Den Beamten gelang wenig später die Festnahme der beiden angetrunkenen Jugendlichen.
Beide sind 17 Jahre alt. Die Aggressivität des einen brachte ihm eine Nacht zur Ausnüchterung in der Zelle ein. Beide müssen sich demnächst wegen Körperverletzung und Beleidigung verantworten.
Hier handelte ein junger Mann sehr vorbildlich und ganz im Sinne des im
Landkreis Marburg-Biedenkopf initiierten Programms "Gewalt Sehen – Helfen". Dieses Programm will eine Kultur des Hinschauens schaffen und der Neigung zum Wegschauen und Nichtstun begegnen.
Nicht Helden sind nach Ansicht der Polizei gefragt, sondern besonnen handelnde Menschen, die helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Polizei rät, dem Opfer zur Seite zu stehen und mit ihm den - in diesem Augenblick gefährlichen - Ort einfach zu verlassen. Wichtig dabei ist, dem oder den Tätern dabei keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. Genau das habe der junge Mann erfolgreich praktiziert.
Solche Verhaltensweisen erlernen Interessierte in entsprechenden Kursen beispielsweise bei der
Volkshochschule Marburg (VHS). Nähere Informationen zur Kampagne "Gewalt Sehen und Helfen" stehen im Internet unter
www.gewalt-sehen-helfen.de.
pm: Polizei Marburg
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