20.03.2010 (jnl)
In der Brüder-Grimm-Stube zeigt der Galerist Bruno Paoletti noch bis Mittwoch (31. März) Arbeiten der italienischen Künstlerin Anna Maria Merulli. Aus der umbrischen Werkstatt Merullis kommen fabelhafte Menschenbilder vor die Augen des Publikums. Ihre stilisierten Portraits tragen den Schalk im Nacken.
Man kann keines der Bilder Merullis anschauen, ohne dass ein Lächeln über ihren hintergründigen Humor aufkommt. Die vier großformatigen Gemälde an der Stirnseite des Raumes zeigen Akt-Portraits.
Ihr primäres Geschlechtsmerkmal ist jeweils mit einem bunten, ablupfbaren "Feigenblatt" verdeckt. Dahinter kann sich eine Überraschung in Gestalt eines männlichen Gemächts verstecken. Merke: es ist nichts, was es scheint.
Nichtsdestotrotz sind alle vier, die sehr unterschiedliche Menschentypen zeigen, von großer Frische und Schönheit. Je ein Symbol in der rechten oberen Ecke der Malereien kehrt als materielles Exponat in einer Vitrine im Zentrum des Raumes wieder. Das ist ein ausgesprochen pfiffiger Kunstgriff, der zur Reflektion anregt.
Eine Reihe von Bildern kleinen Formats tragen Köpfe, die in einem - an den japanischen Manga angelehnten, aber urigen - "Merulli-Stil" gezeichnet sind. Hervorragend an ihnen ist die grandiose Strichführung.
Paoletti hat nach seinem Eintritt in den Ruhestand vor einigen Jahren eine zweite Karriere als Galerist aufgebaut. Mit dieser Ausstellung unter dem Titel "Lolly-Pop" ist ihm ein weiterer großartiger Coup gelungen.
Merulli gehört zu den italienischen Künstlerinnen, die eine internationale Beachtung allemal verdienen. Das weitläufig vernetzte Kunst-Publikum Marburgs sollte ihr Renommee weitertragen.
Jürgen Neitzel
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