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Leben nach Gesetzen


Ensemble inszenierte "Dear Wendy“ nach Drehbuch von Lars von Trier

08.03.2010 (mal)
Das Bühnenspiel endete so, wie es begonnen hatte: Mit einem lauten Knall. Ein Knaller war die Veranstaltung auf jeden Fall. Einem gebannten Publikum führte das Theater-Ensemble Junges Theater Basel am Montag (8. März) im Theater am Schwanhof (TaSch 1) die Produktion "Dear Wendy“ vor.
Der erste Darsteller betrat die Bühne und trat mit voller Wucht gegen eine Kiste. So schnell ist ein Publikum wohl noch nie verstummt.
Eine gemischte Gruppe brachte das Film-Drehbuch von Lars von Trier auf die Bühne. Thomas Vinterberg hatte es bereits 2005 für das Kino verfilmt.
Fünf Jugendliche ohne Perspektive gründeten in den Wäldern einen Club. Sie waren Pazifisten und verehrten dennoch ihre Pistolen.
"Heilige Partnerschaft“ nannten sie die Beziehung zu ihren personifizierten Waffen. In der Abgeschiedenheit übten sie das Schießen. Menschen wollten sie nicht verletzen.
Die Choreographie der Darsteller war einfach begnadet. Gelegentlich fror die Gruppe zum lebenden Bild ein, dann tobten die Darsteller ausgelassen einer hinter dem anderen her.
Jeder der Protagonisten unterschied sich durch seine Individualität von den anderen Jugendlichen. Die kleine quirlige Sarah mit der großen Brille und der einfältige Freddie gehörten ebenso zur Gruppe wie der mit beiden Beinen in Prothesen steckende Louis, der schmächtige Sam und der Anführer Nick.
Das Agieren der Schauspieler benötigte viel Platz. Deshalb war die Bühne komplett leer.
Ihre Requisiten schleppten die Akteure in Rucksäcken mit sich herum. Iglu-Zelte sind es vor allem. Damit errichteten sie das Basislager für dass Schießtraining.
Sich selbst brachten sie allerhand über Ballistik, Einschusslöcher und die Angst des Schützen vor dem Abdrücken bei. Ab und an schaute der biedere Polizist Krugler in aller Freundschaft bei ihnen vorbei.
Zur Bewährung brachte er ihnen eines Tages die schlimme Hanna aus dem Heim vorbei. Sie sprengte die Idylle und forderte die Gruppe heraus.
Die Jugendlichen wollten nun ihre Kenntnisse in die Tat umsetzen. Sie boten dem paranoiden Kaufmann Salomon Geleitschutz an. Doch ab hier eskalierte die Situation.
Der Kaufmann schoss um sich. Die Jugendlichen bildeten eine Mauer um ihn.
Der Polizist wollte eine friedliche Lösung. Er d wurde von einem der Protagonisten erschossen.
Ein Sondereinsatzkommando rückte an und erschoss alle Jugendlichen. Immer wieder standen die Darsteller auf und zuckten in den Maschinengewehrsalven.
Diese jähe Eskalation der Konfliktsituation konnte die Inszenierung dem Publikum klar vermitteln. Die Botschaft kam an.
Wer mit Gewalt lebt, wird auch darin umkommen. Die Personifizierung oder Verehrung von Mordinstrumenten schmälert die Botschaft kaum. In Gewaltverherrlichung und Verrohung liegt die Gefahr.
Martin Ludwig
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