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Wissenschaftler beschritten neue Wege


Pupillen verraten verborgene Entscheidungen

05.03.2010 (mal)
Wer eine Entscheidung trifft, verrät sich durch die Erweiterung seiner Pupillen. Das haben Neurowissenschaftler aus Marburg, Australien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) herausgefunden.
Aus der Pupillen-Ausdehnung konnten sie mit großer Sicherheit bestimmen, welche Entscheidung eine Versuchsperson getroffen hat, der nacheinander eine Reihe von Zahlen zur Auswahl geboten wurde. Die Forscher um den Marburger Neurophysiker Dr. Wolfgang Einhäuser-Treyer veröffentlichten ihre Ergebnisse am Freitag (26. Februar) in der Fachzeitschrift "Frontiers in Human Neuroscience“.
Oftmals entscheidet das richtige Timing über Erfolg. Dabei gilt es als vorteilhaft, die eigenen Entscheidungen zu verbergen. Die Forscher untersuchten, ob der Pupillen-Reflex einen Einblick in Entscheidungsprozesse ermöglicht, bevor sie aus freien Stücken offenbart werden.
"Die Pupille allein erlaubt dabei Vorhersagen in ähnlicher Qualität, wie sie mit ungleich größerem Aufwand durch Kernspintomographen erzielt werden“, erläuterte Einhäuser-Treyer.
Die Vergrößerung und Verkleinerung der Pupillen steuert den Lichteinfall ins Auge. Das kann aufgrund von Änderungen der Lichtverhältnisse geschehen, aber auch bei konstanter Beleuchtung zum Beispiel als Schreckreaktion. Der Reflex ist mit der Ausschüttung des Hormons Noradrenalin verbunden, das bei Tieren auch im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen und Gedächtnisleistungen steht.
Ausgangspunkt der aktuellen Studie war die Frage, ob ähnliche Prozesse für kognitive Entscheidungen wichtig sind. Dabei wurde die Pupillen-Erweiterung als Maß für die Noradrenalin-Ausschüttung verwendet.
In einem der Experimente wurden die Probanden gebeten, zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von zehn Sekunden einen Schalter zu betätigen. In weiteren Versuchsreihen wurden nacheinander fünf Zahlen präsentiert, von denen eine ausgewählt werden sollte, ohne das Ergebnis bekanntzugeben. In allen Fällen waren die Wissenschaftler in der Lage, allein aus der Pupillen-Erweiterung vorherzusagen, wann der Schalter gedrückt wurde oder auf welche Zahl die Entscheidung fiel.
"Unsere Befunde legen den Schluss nahe, dass verborgenen und offenen Entscheidungen ähnliche Mechanismen zugrunde liegen“, resümierten die Wissenschaftler.
pm: Philipps-Universität Marburg
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