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Unbekannte Leidenschaften


Yale Strom entzündete Klezmer-Feuerwerk

20.03.2008 (jnl)
Nicht zuletzt Mund-zu-Mund-Propaganda sorgte bei Yale Stroms zweitem Auftritt in Marburg für ein ausverkauftes Haus. Auf Einladung des Folk-Clubs gastierte der Geigen-Virtuose mit Begleitband am Mittwoch (19. März) im Kulturladen KFZ.
Der vielseitig begabte Klezmer-Interpret gilt als einer der bedeutendsten Musik-Ethnographen seines Genres. Dank seiner Feldforschungen in Osteuropa holte Strom zahlreiche Traditionslinien der jiddischen Musik wieder ans Licht. Er drehte mehrere Dokumentarfilme und schrieb neun Bücher.
Zeitweilig war er Hochschullehrer in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Europa. Seit langem führt er zwei Bands.
Die Begleitband "Hot Pstromi" bestand auf dieser Tour aus dem Roma-Akkordeonisten Peter Stan und der Sängerin Elizabeth Schwartz. Beide erwiesen sich als versierte Könner, die auch eigene Akzente setzten.
"Hot Pstromi" lässt sich laut Auskunft von Schwartz in etwa übersetzen als "traditioneller heißer Festtagsbraten".
Das Konzert stellte zu einem großen Teil die aktuelle CD "Borsht with Bread, Brothers" aus dem Jahr 2007 vor. Die jazz-affine hohe Musikalität der Instrumentalisten entzückte und verlockte das Publikum immer wieder zu Szenenapplaus.
Strom selber erinnerte in punkto Virtuosität an Giora Feidman, den anderen prominenten Botschafter der jüdischen Musiktradition. Wie er ist auch Strom als Komponist und Grenzgänger zur Klassischen Musik hervorgetreten. Aber geliebt und von einer großen Fan-Gemeinde verehrt wird er als Virtuose.
Neben unbekannteren Stücken, die Strom bei seinen Osteuropa-Reisen von Klezmer-Veteranen gelernt hat, waren auch Traditionals und Eigenkompositionen stark vertreten. Der gemeinsame Brennpunkt auf der Bühne bestand darin, die musikalische Seele hervorzulocken. Leidenschaftlich und mitreißend ging es zur Sache.
Schwartz, die übrigens Stroms Ehefrau ist, begeisterte durch eine volumenreiche soulige Alt-Stimme, wie man sie selten hört. Am ehesten vergleichbar ist diese Stimme mit der "Röhre" von Joy Fleming.
Manche Stücke begleitete sie rein lautmalerisch und perkussiv. Andere Passagen wiesen sie als eine Art Volkssängerin aus, die jüdisches Traditionsgut über die Welt verbreitet.
Wenn die New Yorkerin "Bei mir biste scheen" oder "Wir sind alle briederlech, oy, oy, oy" sang, kam Stimmung auf im Saal. Furcht vor Sentimentalität ist dem Jiddischen Gesang ohnehin fremd.
Im Vergleich zum Konzert von "Dobra Notch" am Mittwoch (12. März) traf sich diesmal ein altersmäßig eher gesetztes Publikum. Im G-Werk wurde von den Jungen zum Klezmer getanzt, im KFZ wurde mit glänzenden Augen gelauscht und beklatscht.
Nach zwei Zugaben hinterließ Yale Strom & Hot Pstromi eine weiter anwachsende Fan-Gemeinde.
Jürgen Neitzel
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