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Politik 2009


Neue Bauten und alte Probleme

31.12.2009 (fjh)
2009 war ein Jahr der Investitionen. Nach der weltweiten Wirtschaftskrise haben gigantische Finanzspritzen der Regierungen vor allem Banken und Versicherungen gerettet.
Staatlich finanzierte Konjunkturpakete haben aber auch in Marburg zu erheblichen Investitionen geführt. Knapp 24 Millionen Euro hat die Stadt Marburg mit Hilfe von Zuschüssen des Landes Hessen und des Bundes investiert.
Auch 2009 hat es wieder Auseinandersetzungen um Bauvorhaben gegeben, die das historische Stadtbild zerstören. Immer noch meinen die Zuständigen im städtischen Bauamt, sie müssten Investoren auch solche Bauvorhaben genehmigen, die vom Standpunkt des Denkmalschutzes oder des Stadtbildes her völlig unannehmbar erscheinen.
Ein Beispiel war der Neubau des Hirsefeldstegs an der Jugendherberge. Zwar scheint eine Verbreiterung des schmalen Stegs durchaus sinnvoll; doch haben sich viele Bürger dagegen ausgesprochen, den alten Steg dafür einfach abzureißen.
Auch über den Abbruch des Hauses Rosenstraße 9 zugunsten eines Bauvorhabens des Finanzmagnaten Dr. Reinfried Pohl ist ein Streit zwischen der rot-grünen Koalition im Rathaus und der Marburger Linken sowie kulturhistorisch interessierten Bürgern entbrannt. Aus guten Gründen war das Gebäude gerade erst unter Denkmalschutz gestellt worden, um dann doch dem Mammon geopfert zu werden. Deswegen wurde inzwischen sogar ein Akten-Einsichtsausschuss einberufen.
Auch der Neubau eines Wohnhauses am Erlenring erregt die Gemüter. Wieder einmal soll hier ein Haus höher in den Himmel ragen, als es der Bebauungsplan eigentlich erlaubt.
Umstritten war auch die Neugestaltung der Universitätsstraße, weil dafür zahlreiche alte Bäume geopfert wurden. Notwendig war eine Erneuerung allemal, aber die Abholzung sicherlich nicht.
Ebenso fürchten Naturschützer wegen der Campus-Planung auch um den Baumbestand im Alten Botanischen Garten. Die Errichtung eines neuen "Campus Firmanei" ist seit Längerem bereits das größte städtebauliche Projekt in Marburg. Verbunden ist sie mit einer Aufgabe der "Elefantenfüße" am Erlenring, wo derzeit noch die geisteswissenschaftlichen Fachbereiche der Philipps-Universität residieren. Geknirscht hat es aber auch innerhalb der Koalition im Rathaus. Auch wenn SPD und Grüne zwischenzeitlich Entwarnung gegeben haben, scheint ihr Streit über die Altenhilfe Sankt Jakob und über eine Errichtung von Windkraft-Anlagen auf den Lahnbergen sowie über Pläne des Grünen Bürgermeisters Dr. Franz Kahle zum Bau einer Seilbahn auf die Lahnberge noch nicht ganz ausgestanden.
Waren SPD und Grüne sich zum Jahresende einig, dass sie den Haushaltsentwurf 2010 wegen nicht einschätzbarer Risiken durch geplante Gesetzesänderungen der schwarz-gelben Koalition in Berlin vorerst zurückziehen und im Frühjahr einen Doppelhaushalt für 2010 und 2011 vorlegen wollen, so kritisierten die Oppositionsparteien diese Vorgehensweise sehr heftig. Ihrer Ansicht nach sind die Rahmenbedingungen für 2011 noch weniger vorherzusehen als die Bedingungen der kommunalpolitischen Aktivitäten im Jahr 2010. Immerhin kann Oberbürgermeister Egon Vaupel den Haushalt 2009 noch mit einem positiven Ergebnis abschließen. Selbst die Verschuldung der Stadt hat er allmählich zurückführen können.
Franz-Josef Hanke
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