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Palästina im Blick


Kulturabend für Jerusalem in der Waggonhalle

16.12.2009 (chr)
Die palästinensische Kultur mit allen Sinnen erleben konnten Besucher am Dienstag (15. Dezember) in der Waggonhalle. Die studentische Palästina-Gruppe "Handala" hatte zu einem "Abend für Jerusalem" eingeladen.
Damit wollte die Gruppe die palästinensische Kultur stärker ins Bewusstsein rücken. "Wir wollen die Leute darüber aufklären, was Palästina eigentlich ist", erklärte Fadi Nassir. Viele Menschen wüssten beispielsweise nicht, dass die israelische Hauptstadt Jerusalem auch einen palästinensischen Teil habe.
Dieses Viertel – das sogenannte Al Quds – haben die arabischen Staaten der UNESCO 2009 zur arabischen
Kulturhauptstadt erklärt. Das sei noch ein Grund für "Handala", auf das Land Palästina und seine Bevölkerung aufmerksam zu machen.
Gegründet haben die Studenten Nassir und Dana Abdel Fatah die Gruppe im Februar 2009. Anlass war die Beobachtung, dass in Marburg die Auswirkungen des Ghaza-Kriegs auf die palästinensische Seite nur sehr gering wahrgenommen worden seien.
An ihrem Informationsabend hatte die Gruppe einen Teil des Saals der Waggonhalle zu einem großen Beduinenzelt umgebaut. Hier konnten die Besucher sich bei schwarzem Tee und getrockneten Datteln durch Broschüren über das Land Palästina informieren oder in landestypischer Literatur schmökern.
Dass "Handala" eine sprach- und kulturübergreifende Gruppe ist, bewiesen zwei Mitglieder zu Beginn des Abends. Wasim Betar trug ein Gedicht des Autors Mahmoud Darwish auf arabisch vor. Anschließend lieferte seine Mitstreiterin Sabrin Hammal die deutsche Übersetzung.
Das Gedicht thematisierte die Mauern, die von unterschiedlicher Seite um Jerusalem herum gebaut werden. Diese Zeilen waren allerdings der einzige politische Anklang des Abends.
Ansonsten stand klar die kulturelle Seite Palästinas im Vordergrund. Dazu lud der Sänger Samir Mansour die überwiegend jungen Zuhörer ein.
Auf der arabischen Gitarre "Qud" gab er Lieder und Weisen aus der Region Palästinas zum Besten. Dabei animierte er immer wieder zum Mitsingen der in arabisch gehaltenen Lieder.
So gelang es dem Musiker tatsächlich, auf seiner Bühne ein kleines Stück von tausendundeiner Nacht aufleben zu lassen. Die Menge spendete einmütig begeisterten Applaus.
Parallel dazu liefen im Spiegelsaal der Waggonhalle die Filme "Palästinensische Diaspora" und "Westbank Story". Der Film "Palästinensische Diaspora" brachte dem Zuschauer in einer zehnminütigen Dokumentation die Situation der palästinensischen Flüchtlinge nach der israelischen Staatsgründung näher. Die Komödie "Westbank Story" war nicht nur im Titel, sondern auch thematisch an die Handlung des Musicals "Westside Story" von Leonard Bernstein angelehnt.
Auch kulinarisch ließ sich Palästina an diesem Abend erleben. Aus zehn verschiedenen frisch zubereiteten traditionellen Gerichten wie Humus oder Falafel konnten Hungrige sich einen "Arabischen Teller" zusammenstellen lassen. Dieses Angebot kam so gut an, dass immer mehr Leute in die schon volle Waggonhalle strömten.
Mitten im Getümmel aus Menschen der unterschiedlichsten Herkunft tummelten sich die Handala-Mitglieder. Sie alle waren erkennbar durch den Namensgeber ihrer Gruppe auf ihren T-Shirts.
"Handala" ist die bekannteste Comic-Figur des palästinensischen Cartoonisten Naji Al Ali. Sie stellt einen kleinen Jungen in ärmlicher Kleidung dar, der dem Betrachter immer nur den Rücken zukehrt.
Ali stellte diese Figur in seinen Cartoons in Situationen, die hauptsächlich die israelische Besatzungspolitik kritisierten. Aber auch Führer arabischer Staaten kamen wegen ihrer Untätigkeit und Halbherzigkeit in der Palästinenserfrage selten gut weg.
Derlei Konflikte standen an Handalas Abend aber nicht im Mittelpunkt. Stattdessen sah man einen Markt des kulturellen Austauschs, wo Leute unterschiedlichster Herkunft und Religionszugehörigkeit einträchtig redeten, lachten und aßen. Das hätte sicher auch Handalas geistigem Vater gefallen.
Christian Haas
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