13.12.2009 (fjh)
"Magnificat" ist das lateinische Wort für die Lobpreisung des großen und großartigen Gottes. Unter diesem Titel steht auch Antonio Vivaldis Choral mit der Nummer 611 im sogenannten "Ryom-Verzeichnis". Mit dieser gewaltigen und geradezu göttlichen Musik erfreuten das Kammerorchester Marburg und der
Marburger Bachchor am Samstag (12. Dezember) in der Kirche Sankt Peter und Paul ihr Publikum.
Bereits mit den ersten Tönen hatte der Chor die gut 400 Besucherinnen und Besucher in der - bis auf den letzten Platz besetzten - Kirche voll in seinen Bann gezogen. Im zweiten Satz setzte dann das für Vivaldi typische Geigenspiel ein.
Eine Steigerung erschien danach kaum mehr möglich. Doch Christina Wieland gelang sie mit ihrem glasklaren Sopran auf wunderschön beeindruckende Weise.
Diese hochschwangere Sängerin verzauberte die Zuhörer mit ihrer hellen Stimme und einer sauberen Stimmführung bis in die höchsten Töne hinein. Bei allen Koloraturen wirkte sie immer vollkommen natürlich und nie affektiert.
Dagegen verblasste selbst Katharina Padrock, obwohl auch ihre Alt-Stimme sauber und eindrucksvoll ertönte. Wunderbar harmonierten die beiden Sängerinnen bei Duetten, die sie im Laufe des Nachmittags mehrfach miteinander vortrugen.
Unter der Leitung von Nicolo Sokoli arbeiteten Chor und Orchester ebenso wie die beiden Gesangs-Solistinnen die emotionale Tiefe des "Magnificat" sehr eindrucksvoll heraus. Man mochte glauben, dass "il Prete rosso", wie die Zeitgenossen in Venedig den rothaarigen Priester Vivaldi nannten, seinen Glauben und seine Liebe zur Musik ganz und gar in diese Komposition hineingeschrieben hat.
Ein Satz erinnerte ein wenig an Vivaldis "Il Tempesta di Mare". Ansonsten aber beeindruckte die Komposition durch ihre lebendige Vielfalt und die bewegende Ausdruckskraft, die Sokoli mit seinen Musikern ganz zur Geltung brachte.
Nach diesem Stück schlug die Stunde von Florian Balzer. Der in Marburg geborene Trompeter konnte sein ganzes Können bei Georg Philipp Telemanns Konzert Nummer 1 in D-Dur für Solo-Trompete, Streicher und Basso Continuo unter Beweis stellen.
Stark und kraftvoll - häufig aber auch sehr sanft und zurückgenommen – blies Balzer sein Instrument und meisterte dabei auch die schwierigsten Partituren. Gekonnt unterstützten ihn dabei das Kammerorchester und der einfühlsame Dirigent.
Nach dem Instrumentalstück des deutschen Barock-Komponisten kamen noch einmal sein italienischer Zeitgenosse und gleichzeitig mit ihm alle Mitwirkenden des Konzerts zur Geltung. Vivaldis "Gloria" trägt die Nummer 589 In dem - nach dem dänischen Musikwissenschaftler Peter Ryom benannten - Werke-Verzeichnis mit der Abkürzung "RV".
Vivaldis "Gloria" erklang an diesem Nachmittag nicht minder eindringlich wie zuvor schon sein "Magnificat". Der volle und fein austarierte Chor füllte den Raum mit schwebenden Klängen, die das Kammerorchester harmonisch untermalte. Dazu spielte Balzer seine Trompete meist eher verhalten als kraftvoll.
Zwischendurch beglückten Padrock und vor allem Wieland die begeisterten Zuhörer mit ihrem perfekten Gesang. Auch wenn Vivaldi seine Kompositionen Anfang des 18. Jahrhunderts bestimmten Sängerinnen des Waisenhauses von Venedig geradezu auf den Leib geschrieben hat, passte vor allem Wielands Stimme und ihre Gesangskunst absolut idealtypisch zu ihrer Partitur.
Nach minutenlangem begeistertem Applaus verließen die Künstler den Altarrraum der Kirche. Eine Zugabe sei leider unmöglich, erklärte Sokoli entschuldigend, da die Kirche bis zum nächsten Gottesdienst um 18 Uhr wieder aufgeräumt sein müsse. Wer aber Gefallen an Spiel und Gesang gefunden habe, der könne das gesamte Programm am Sonntag (13. Dezember) um 19 Uhr noch einmal in Stadtallendorf erleben.
Franz-Josef Hanke
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