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Fette Beats


Al Jawala heizten der Holzwerkstatt mächtig ein

12.12.2009 (chr)
"Jamsession" nennen Musiker das improvisierte, zwanglose Zusammenspiel. Aus solchen Gelegenheiten ist die Band "Al Jawala" hervorgegangen.
Das merkte man auch am Freitag (11. Dezember) deutlich. Was die fünf Musiker in der Holzwerkstatt der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) veranstalteten, war eine knapp zweistündige Jamsession der ganz besonderen Art.
Die Band eingeladen hatte der schulische Workshop Musik. Die Musiker ihrerseits luden die rund 100 Zuhörer direkt zum Tanzen ein.
Percussionist Markus Schumacher trommelte dazu einen fetzigen Rhythmus auf den Bongos, den Schlagzeuger Daniel Pellegrini und Bassist Daniel Verdier sofort aufnahmen. In den treibenden Beat von Schlagzeug, Bass und Percussion setzten die beiden Saxophonisten Krischan Lukanow und Steffi Schimmer ein.
Mal mit- und mal gegeneinander spannten Alt- und Tenorsaxophon eingängige Melodie-Bögen irgendwo zwischen Kasatschok und rumänischen Volksliedern. "Balkan Big Beatz" nennen die Musiker selbst diesen schwer zu fassenden Stil.
Er lebt vor allem vom faszinierenden Zusammenspiel des Quintetts. Leichtfüßig wie in einer Jamsession gingen die einzelnen Instrumente aufeinander ein.
Das wirkte so spielerisch, als würde hier wirklich nur lustig vor sich hin improvisiert. Doch dazu waren die Rhythmen zu exakt, das Timing zwischen den Musikern zu perfekt.
Percussion und Schlagzeug stachelten sich zu immer wilderen Rhythmen an. Bass und Saxophone antworteten einander mit der jeweiligen Melodie.
So entstand je nach Stück ein anderer Klangteppich, der nie beliebig, aber immer intensiv wirkte. Dementsprechend begeistert war auch der Applaus, wenn die Band sich mal eine kurze Pause gönnte.
Meistens folgte allerdings Stück auf Stück. Rhythmen flossen ineinander, wurden zu Melodien und wieder zu Rhythmen.
Immer wieder animierten die Musiker das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen. Da hielt keiner mehr im Saal die Füße still.
Dass sie nicht nur Rhythmus-Künstler, sondern absolute Vollblutmusiker sind, zeigten besonders die beiden Schlagzeuger Schumacher und Pellegrini. Ständig wechselten die beiden sich entweder an den Trommeln oder am Synthesizer ab.
Pellegrini aber wurde richtig gut, wenn er sein virtuosestes Instrument auspackte: das Didgeridoo. Das Holzblasinstrument der australischen Ureinwohner beherrschte Pellegrini so perfekt, als wäre er selber einer.
In immer neuen Wellen entlockte er dem hohlen Stamm die erstaunlichsten Töne, passte sich perfekt in den Rhythmus von Schlagzeug und Bass ein. Dabei schien Pellegrini jedoch nie die Luft auszugehen, auch wenn sein Gesicht zuweilen eine etwas allzu gesunde Farbe annahm.
Trotz Anstrengung war auch nach gut anderthalb Stunden ohne Pause die Spielfreude der Musiker ungebrochen. Sogar zu drei Zugaben gaben sie sich die Ehre.
Pellegrini bewies noch einmal sein ganzes Können am Didgeridoo. Schumacher ließ die Hände so schnell über die Bongos wirbeln, dass einem schwindelig werden konnte.
Lukanow schien mit dem Saxophon zu atmen. Bassist Daniel Verdier spielte irgendwann nur noch mit geschlossenen Augen.
Das Publikum belohnte soviel Spaß an der Sache mit lautstarkem Applaus. Wer dann immer noch nicht genug hatte, konnte anschließend direkt die neueste CD der Combo erstehen.
Allerdings ist kaum zu glauben, dass sich dieses unbeschreibliche Live-Erlebnis auf eine flache Aluminiumscheibe pressen lässt. Al Jawalas Spiel ist Atmosphäre. Diese Stimmung aber gibt es nur vor Ort.
Christian Haas
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