07.12.2009 (chr)
Mit 355.700 Euro unterstützt die Volkswagen-Stiftung das Vorhaben "Soziokulturelle Untersuchungen zur Bekleidungsgeschichte der 1930er/40er Jahre" von Dr. Kerstin Kraft vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der
Philipps-Universität. Mitbeteiligt an dem Projekt ist Dr. Walter Hauser vom Rheinischen Landesmuseum für Industrie- und Sozialgeschichte in Oberhausen.
Die Förderung gehört zu den ersten elf Projekten im Rahmen der neuen Initiative "Forschung in Museen". Mit insgesamt rund 3,7 Millionen Euro will die Volkswagen-Stiftung neue Impulse für die Museumsforschung geben.
Im Vordergrund stehen dabei sowohl die Vernetzung mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen als auch die Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Eine solche Kooperation ist das Marburg-Oberhausener Forschungsprojekt.
"Unser Ziel ist es, die Alltagskleidung der Menschen, Trage- und Konsumgewohnheiten, die Verfügbarkeit von Kleidung und Mode sowie deren Herstellung in der Zeit zwischen der Weltwirtschaftskrise und der unmittelbaren Nachkriegszeit – also in den 1930er und 1940er Jahren – zu rekonstruieren", erklärte Kraft. Zu diesem Zweck untersucht die Forschergruppe originale Kleidungsstücke aus einem großen Sammlungsbestand.
Anschließend sollen "objektbasierte Zeitzeugen-Interviews" die Kleider als kulturgeschichtliche Quellen verfügbar und interpretierbar machen. Dadurch werden sie auch für Nicht-Zeitzeugen erlebbar.
Die Forscher hoffen, dass insbesondere die Verbindung von Alltagsgeschichte und Politik als Rahmensetzung zu interessanten Ergebnissen führt. Von Vorteil für die wissenschaftliche Arbeit ist auch, dass seitens des Museums Kontakte zu entsprechenden Studiengängen etwa im Bereich Mode/Textildesign an den Universitäten Dortmund, Essen und Paderborn bestehen.
Zur Halbzeit des Vorhabens im Jahr 2011 werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit in einer Ausstellung vorgestellt. Darüber hinaus werden sie mit anderen Wissenschaftlern bei einem interdisziplinären Workshop diskutiert.
Die Reaktionen auf beide Veranstaltungen liefern die Basis für die weitere Forschung und eine abschließende Publikation im Jahr 2012. Auf diese Weise bildet eine Ausstellung selbst die Grundlage für neue Forschung. Damit wollen die Wissenschaftler ein in der musealen Forschung oft angestrebtes - aber selten verwirklichtes - Ziel erreichen.
pm: Philipps-Universität Marburg
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