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Lustige Lesung


Dennewitz las Ringelnatz mit Witz und Hintersinn

29.11.2009 (fjh)
"Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken." Dieser Reim von Joachim Ringelnatz hat dem neuen Programm des Hessischen Landestheaters (HLTh) zu seinem Titel verholfen. Zum 75. Todestag des Altmeisters grotesken Humors in gereimter Form liest Intendant Ekkehard Dennewitz aus dessen Werken.
Musikalisch begleitet wird die Lesung von der Sachs-Band. Gesangliche Unterstützung liefert Carolin Grein mit jazzigen Stücken und französischen Chansons.
Zu Beginn las Dennewitz manchmal noch einen winzigen Tick zu schnell. Doch überzeugten seine Intonation und gekonnte Stimmveränderungen.
Allerdings ließ der Vortragende dem Publikum nach jedem Gedicht meist keine Zeit, damit sich das Gehörte setzen konnte. Nahezu übergangslos las er sofort das nächste Gedicht, als triebe der am 17. November 1934 verarmt verstorbene Ringelnatz ihn aus dem Jenseits mit der Peitsche an. Auch setzte er die Überschriften nicht immer vom übrigen Text ab.
Ansonsten aber war die Lesung ein ausgesprochener Genuss. Man merkte Dennewitz an, dass er sich dem Autor und seinen humorig-grotesken Texten verbunden fühlt.
Dennewitz hatte sichtlichen Spaß an Ringelnatz. Diesen Spaß konnte er mühelos auf das Publikum im Theater am Schwanhof (TaSch 2) übertragen, wo die Lesung am Samstag (28. November) Premiere feierte.
Fast alle bekannten Ringelnatz-Gedichte aus den Jahren zwischen 1912 und 1928 trug Dennewitz an diesem Abend vor. Dabei ordnete er die Texte thematisch zusammen, ohne die chronologische Folge ihres Entstehungsdatums aber allzu sehr durcheinanderzuwirbeln.
Einen besonderen Platz nahmen die Turn-Gedichte ein, in denen Ringelnatz die Bewegungs-Anweisungen beim Sport meisterhaft mit gesellschaftlichen oder politischen Aussagen verknüpft hat. Diese kompositorische Finesse arbeitete Dennewitz in seinem Vortrag deutlich heraus.
Ein Höhepunkt des Programms war auch die Abrechnung des 1883 als Hans Gustav Bötticher im sächsischen Wurzen geborenen Ringelnatz mit den Sachsen. Ein entsprechendes Gedicht trug Dennewitz zunächst hochdeutsch vor, bevor er es dann in gekonnt sächsischem Tonfall wiederholte.
Auch die Verse auf das Münchener Oktoberfest kamen aus dem Mund des Marburger Theaterintendanten in Bayerisch daher. Ein wenig erinnerte sein Tonfall dabei an den einstigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.
Mit der Landpartie der Tiere setzte Dennewitz noch einen geradezu grandiosen Schlusspunkt. Bravourös brachte er die unterschiedlichen Tiere dabei zu Gehör. Selbst das Reiseziel der tierischen Gesellschaft war noch gut für einen überraschenden Gag.
Eingestreut in die Rezitation waren einzelne Lieder. Teils spielte die Sachs-Band sie instrumental, teils ließ sie sich auch von der Sängerin begleiten.
Während Grein bei "Making Woopie" noch ihr stimmliches Talent voll zur Geltung brachte, wirkten zwei der vier französischen Chansons ein wenig gefühlos runtergesungen. Das lag freilich auch am Vergleich mit berühmten Versionen von Charles Aznavour und Edith Piaf, mit denen die junge Interpretin es nicht – auch nur ansatzweise – aufnehmen kann.
Ihr fehlte hier einfach der – durch den Text notwendigerweise vorgegebene – Tiefgang im Ausdruck. Doch konnte man hören, dass Grein das stimmliche Volumen besitzt, derartige Chansons ausdrucksstark auf die Bühne bringen zu können.
Insgesamt war es aber ein überaus vergnüglicher und kurzweiliger Abend. Das ist vor allem den humorig hintersinnigen Gedichten von Ringelnatz geschuldet. Fast genausoviel beigetragen dazu haben aber auch Dennewitz mit seiner spürbaren Freude am Vortrag und die Sachs-Band mit ihrem gekonnten Spiel.
Nicht nur Freunde heiterer Gedichte oder grotesken Humors werden an diesem Programm ihre helle Freude haben. Man sollte ganz ohne Bedenken die Menschen in diese Lesung lenken.
Franz-Josef Hanke
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