28.11.2009 (chr)
Was haben Eierschalen, ein Holunderstrauch und Wahrnehmungsstörungen gemeinsam? Das zeigen die Stücke des 6. Marburger Kurzdramen-Festivals ab Donnerstag (3. Dezember).
Die Dramen "Abschottung", "Schwippern" und "Vergnügte Ruh" werden dann in der
Waggonhalle uraufgeführt. Das vierte Stück "Der Tourist" findet am Sonntag (6. Dezember) als Lesung statt.
Diese vier Stücke haben den vom
Theater Gegenstand initiierten Kurzdramen-Wettbewerb gewonnen. Bereits zum sechsten Mal waren ambitionierte Autoren aufgefordert gewesen, ihre unveröffentlichten Werke einzusenden.
Eine fünfköpfige Jury – bestehend aus Regisseuren, Schauspielern und Dramaturgen – wählte dann die vier besten aus. Für die Umsetzung der Stücke holte sich das Theater anschließend erstmals drei junge Theaterschaffende aus Gießen. Ferdinand Klüsener, Serena Schranz und Katrin Hylla studieren dort Angewandte Theaterwissenschaften.
"Für uns war es spannend, unseren eigenen Ansatz mit völlig neuen Texten zusammenzubringen und so etwas ganz Neues auszuprobieren", erklärte Klüsener am Freitag (27. November). Diese Erfahrung soll der Zuschauer dabei direkt miterleben.
"Das heißt: Die Texte werden nicht nur inszeniert, sondern auch problematisiert", erläuterte Klüsener. Deshalb finden im Anschluss an die Aufführungen der Stücke jeweils Gespräche mit den Zuschauern statt.
"Uns ist wichtig, zu sagen: Sprecht über das, was ihr gesehen habt", ergänzte Hylla. Das geschieht vor allem, weil es im einzelnen wohl nicht ganz klar sein dürfte, was der Zuschauer zu sehen meint, geschweige denn, was er tatsächlich sieht.
Das Stück "Schwippern" beispielsweise stellt direkt die Frage: "Sind Sie schizophren?" Es sei nicht klar, wie viele Figuren das Stück eigentlich enthalte, erzählte Klüsener.
"Abschottung" serviert dem Zuschauer dann einzelne Textcollagen inmitten vieler kaputter Eierschalen. Am Ende bleibt nur das Bild einer kaputten Beziehung.
Ein "großer Konflikt zwischen einem Mann und einer Frau" stehe auch im Mittelpunkt des dritten Stückes "Vergnügte Ruh", erläuterte Regisseur Jan Treiber. Auch hier müsse sich der Zuschauer mit verschiedenen Puzzle-Teilen eines Bildes auseinandersetzen.
Nicht nur für die Zuschauer, auch für die Theaterschaffenden war die Bearbeitung der Stücke ein Experiment. Die Inszenierungen seien in einem "gemeinschaftlichen Prozess" entstanden, berichtete Schranz.
"Es war spannend, zu sehen, wie man mit beschränkten zeitlichen Mitteln so etwas inszenieren kann", ergänzte Klüsener. Das sei aber auch gleichzeitig das Problem vieler Kulturschaffender heutzutage.
Neben der Erfahrung der Stücke haben Interessierte außerdem die Möglichkeit, in ergänzenden Workshops eigene Theater-Erfahrungen zu sammeln. Dieses Angebot eröffne womöglich noch einen ganz anderen Blick auf die Stücke.
Sabine Bergk gibt am Freitag (4. Dezember) einen Kurs zum Thema Literatur. Sie ist die Autorin des Stücks "Vergnügte Ruh".
Daneben lädt der Poetry-Slammer Philip Krause am Samstag (5. Dezember) zu einem "Lese- und Intonations-Workshop" ein. Das Theater GegenStand bittet dabei um rechtzeitige Anmeldung.
Die drei Kurzdramen sind als Block von Donnerstag (3. Dezember) bis Sonntag (6. Dezember) jeweils ab 19.30 Uhr in der Waggonhalle zu sehen. Dabei könnten sich - wie in der Vorbereitung - die Stücke an den einzelnen Abenden ganz unterschiedlich entwickeln, verrieten Klüsener, Schranz und Hylla. "Deshalb kann es durchaus interessant sein, sich mehrere der Aufführungen anzusehen".
Christian Haas
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