16.03.2008 (sts)
Der erste Preis der 13. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche geht an das Theaterhaus-Ensemble Frankfurt. Ausgezeichnet hat die Jury am Samstag (15. März) im Theater am Schwanhof das Stück „Schwarz wie Tinte“ von Ruth de Gooijer.
Die Plätze Zwei und Drei belegten das Theater Überzwerg in Saarbrücken mit „Für Dich“ und das Theater der Jungen Welt in Leipzig mit „How to become God in one Hour and twelve Minutes“.
Die Neuad-Aption des Märchens „Schneewittchen“ sei „kraftvoll und ungekünstelt inszeniert“ und habe „alle Altersgruppen begeistert“, begründete die Jury ihre Entscheidung für den mit 1.500 Euro dotierten Hauptpreis. Die Schauspielerinnen Uta Nawrath und Susanne Schyns hätten es in den ständig wechselnden Rollen geschafft, auch noch jedem Zwerg eine eigene Persönlichkeit zu geben, den „schrulligen alten Männern Leben eingehaucht“. „Gruselig und gleichzeitig liebenswert“ thematisiere „Schwarz wie Tinte“ Fragen des Erwachsen-Werdens, der Versuchung und der Beeinflussung.
Mit großer Freude nahmen Theaterintendant Gordon Vajen und die künstlerische Leiterin Susanne Freiling die von Festival-Leiter Jürgen Sachs überreichte Urkunde entgegen. Für das Theaterhaus Frankfurt war es nach 2002 bereits der zweite Erfolg bei der Kinder- und Jugendtheaterwoche in Marburg.
Sachs zog eine rundweg positive Bilanz des diesjährigen Festivals. Mit 2.500 Besuchern bei insgesamt 27 Veranstaltungen könne man mit „Fug und Recht davon sprechen, dass die Dreizehn zur Glückszahl“ geworden sei. Auch die 14. Auflage im kommenden Jahr sei bereits gesichert.
Für die größten Beifallsstürme des Abends sorgte dann aber das von schwarzem Humor geprägte Puppentheater-Stück „Der weiße Hammer“ des „Weiten Theaters“ in Berlin. Die Groteske begann mit der bestialischen Ermordung eines niedlichen, kleinen, weißen Kaninchens durch eine pathologische Tierhasserin. Der nicht weniger geisteskranke Besitzer des Kanickels, Polizeipräsident Hagen, gründet mit drei debilen Mitstreitern den „Weißen Hammer“. Die Organisation will über Nacht sämtliches Verbrechen in der Welt ausmerzen.
Zielsicher nahmen die Puppenspieler und Stimmenlieferanten Irene Winter und Torsten Gesser gesellschaftliche Abgründe ins Visier. Die teilweise entstellten Puppen wurden zu Karikaturen menschlicher Leidenschaften. All das kumulierte in einem doppelt und dreifach überraschenden Ende.
Wäre der „weiße Hammer“ nicht außer Konkurrenz gelaufen, er hätte wohl beste Chancen gehabt, den diesjährigen Hauptpreis zu erhalten.
Stephan Sonntag
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