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Zu unkritisch herangegangen


Angela Dorn kritisiert Science-Train

16.11.2009 (chr)
"Der Science-Zug hat leider seine enormen Chancen verpasst", resümierte die grüne Landtagsabgeordnete Angela Dorn am Montag (16. November) nach einem geführten Rundgang durch den Wissenschaftszug "Science-Train".
In einigen Wagen werde Technologie- und Fortschrittsgläubigkeit mit Wissenschaft verwechselt. Dorn sieht die in anderen Städten geäußerte Kritik am Zug nach ihrer eigenen Erkundung bestätigt.
Leider fände sich im Zug in einigen Aspekten ein sehr einseitiges Bild von Wissenschaft. Die ohne Frage sehr faszinierende Aufmachung der Themen berge dabei die Gefahr, die ethischen Grenzen der Wissenschaft und der Technologie nicht mehr zu sehen.
Von einem öffentlich geförderten Projekt erwartet Dorn, dass auch andere Sichtweisen zur Sprache kommen. Stattdessen gäbe es lediglich einen philosophischen Input im letzten Wagen.
Gentechnik werde außerdem im Science-Zug als Lösung zur Ernährung einer steigenden Bevölkerungszahl angepriesen. "Gentechnik zielt nicht auf die Versorgung der Weltbevölkerung mit Lebensmitteln ab, sondern wird zu 80 Prozent zur Herstellung der Bekleidungsindustrie verwendet", erläuterte die Sprecherin für Verbraucher- und Ressourcenschutz der Grünen Landtagsfraktion in Hessen. Diese Technologie diene klar wirtschaftlichen statt gesellschaftspolitischen Interessen.
"Zu glauben, die Ernährungsprobleme ließen sich durch Gentechnik lösen, ist zudem blinde Technologie- und Fortschrittsgläubigkeit", meinte Dorn. Vielmehr liege die Lösung in einer gerechteren Verteilung der Ressourcen. Darauf wiesen gerade viele Nicht-Regierungsorganisationen - wie "Brot für die Welt" zum derzeit in Rom stattfindenden Welt-Ernährungsgipfel - hin.
Zudem suggeriere der Text zur Agro-Gentechnik, dass "strenge Kontrollen" beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Zukunft Probleme verhindern würden. Das aktuelle Beispiel Leinsamen zeige jedoch ein anderes Bild.
"Insgesamt werden kritische Positionen vernachlässigt", beklagte sich Dorn. So würden wissenschaftliche Studien wie die CRIIGEN-Studie nicht einmal erwähnt. Diese Studie belege die Risiken der Gentechnik und warne vor einer Wissenschaft, bei der alles gemacht werde, was technisch möglich ist.
Auch dass es Lösungen ohne Gentechnik gebe, werde verschwiegen. So seien während des Genehmigungsprozesses der Gen-Kartoffel "Amflora" gleich zwei Sorten ohne Gentechnik gezüchtet worden, die den Vorteil der "Amflora" - ihren hohen Stärkegehalt - überboten. Mit keinem Wort erwähnt würden auch die vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit den Risiken der Gentechnik beschäftigen.
"Ich plädiere ausdrücklich dafür, junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern. Aber ich warne auch davor, Wissenschaft mit Anwendung oder Technologie zu verwechseln", empfahl Dorn abschließend. So sei die Ausstellung im Zug nicht wissenschaftlich ausgewogen.
"Die Besucherinnen und Besucher sollten sich bewusst machen, dass kräftig gesponsert wurde", riet Dorn. "Sonst tut die Ausstellung der Wissenschaft und ihrer Vermittlung keinen Gefallen, sondern kommt einem Werbezug der Wirtschaft gleich!"
pm: Angela Dorn, MdL
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