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16 weitere Betten


José-Carreras-Leukämie-Centrum eröffnet

25.09.2009 (fjh)
Das José-Carreras-Leukämie-Centrum (CLC) wurde am Freitag (25. September) im Beisein seines Namensgebers in Marburg eröffnet. Die neue 16-Betten-Station mit höchster High-Tech-Infrastruktur erlaubt hochinnovative klinische Studien und die klassische Patientenversorgung mit Stammzellen von verwandten oder auch nicht verwandten Spendern. Damit stellt das CLC nach Angaben seiner Betreiber eine bestmögliche Versorgung von Leukämie-Patienten sicher.
In Anwesenheit von José Carreras wurde am Freitag das Carreras-Leukämie-Centrum im Universitätsklinikum Marburg offiziell eingeweiht. Zu den mehr als 3,7 Millionen Euro, die in diese Spezial-Station investiert wurden, haben die José-Carreras-Leukämie-Stiftung und die Rhön-KLINIKUM AG jeweils 1,67 Millionen Euro sowie der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität 0,4 Millionen Euro beigetragen. Für dieses Geld sind Laboreinrichtungen und eine 16-Betten-Station mit High-Tech-Infrastruktur entstanden.
Außerordentlichen Dank erhielt bei der Einweihungsfeier nicht nur der spanische Star-Tenor für sein persönliches Engagement in der Bekämpfung von Leukämie, sondern ebenso Prof. Dr. Andreas Neubauer. Er ist der Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie auf den Marburger Lahnbergen. Respekt vor Neubauers wissenschaftlichen Erfolgen - aber auch vor seinem außerordentlichen Engagement - bezeugte der Medizin-Dekan Prof. Dr. Matthias Rothmund.
"Schon jetzt ist die Tumorforschung ein besonders ausgewiesener Schwerpunkt der Marburger Medizin", erklärte er. "Mit dem CLC ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Profilbildung gemacht."
Mit dem CLC geht für Neubauer ein lange gehegter Traum in Erfüllung. "Jetzt können wir unsere Patienten nach Knochenmarktransplantationen wirklich optimal versorgen", erklärte Neubauer. "Unsere neuen Räumlichkeiten sind technisch so ausgerüstet, dass die Patienten während der kritischen Phase nach der Operation in nahezu keimfreier Atmosphäre untergebracht sind."
Die Kapazität der Spezial-Station liegt bei 100 Knochenmarktransplantationen pro Jahr. Die Marburger Klinik hält sich mit derzeit 70 bis 85 Transplantationen im deutschen Mittelfeld.
Neubauer blickt freilich noch über den eigenen Bereich hinaus: "Das Carreras-Leukämie-Centrum ist auch ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge von Tumorforschung und -behandlung in Marburg. Ein Zentrum für Immun- und Tumor-Biologie ist ebenfalls bereits bewilligt."
Es soll mit Fördermitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus dem Topf der Verbundforschungsförderung finanziert werden. "Wir haben hier eine gute Tradition der Zusammenarbeit zwischen allen onkologischen Bereichen", erläuterte Neubauer.
Wer die neue Station betritt, muss sich mit Mundschutz und Schutzmantel "bewaffnen". Die - über Doppelschleusen zugänglichen - Zimmer sind gegenüber der Außenwelt hermetisch abgeschlossen.
Dazu dienen beispielsweise spezielle Dichtungssysteme der Fenster. Die Frischluft wird durch sogenannte "High-Efficiency-Particulate Air-Filter (HEPA-Filter) zugeführt. In den Räumen herrscht permanent ein leichter Überdruck, um den Zustrom von Luft durch die Türen zu verhindern.
Die Wasserhähne sind mit Legionellen-Filtern ausgerüstet, um auch hier den Bakterien den Weg zu versperren. "Dank dieser Ausstattung verbessern sich unsere Erfolgs-Chancen erheblich", erklärt Neubauer.
Nach einer Knochenmark-Transplantation ist das Immunsystem des Patienten praktisch ausgeschaltet. Er steht den Angriffen von Viren, Bakterien und Pilzen völlig schutzlos gegenüber.
Neue Medikamente gegen solche Infektionen und neue Krankenhaustechnik haben mit dazu beigetragen, dass sich die Prognose aller Leukämien in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich um 30 Prozent verbessert hat. Die Besonderheit des Marburger Leukämie-Zentrums im Vergleich zu anderen Zentren, die von der José-Carreras-Leukämie-Stiftung gefördert werden, liegt in seinem translationalen Ansatz.
Das CLC dient also nicht nur entweder der reinen Forschung oder der Verbesserung der Versorgung, sondern der direkten Umsetzung (Translation) der Forschungsergebnisse in die Patientenversorgung am selben Ort. Zu diesem Zweck sind zwei Krankenzimmer der Station mit jeweils zwei Betten als "Clinical Trial-Unit" deklariert. Sie gelten somit als Forschungszentrum, in dem neue Medikamente in klinischen Studien der Phase I zur Prüfung auf Nebenwirkungen und Phase II zur Prüfung der Wirksamkeit getestet werden. Probanden sind austherapierte Blutkrebs-Patienten, die sich ausdrücklich für diese klinischen Studien und Protokolle zur Verfügung stellen.
"Es ist durchaus vorstellbar, dass wir im Labor Substanzen finden, die wir dann in der Trial Unit testen können", umreißt Neubauer einen Forscher-Traum. Allerdings müssen es gar nicht unbedingt immer völlig neue Wirkstoffe sein. Das Marburger Leukämie-Team fand beispielsweise heraus, dass ein herkömmliches Epilepsie-Mittel (Valproin-Säure) der akuten myeloischen Leukämie (AML), einer der häufigsten Tumorerkrankungen des Knochenmarks, entgegenwirkt.
Der spanische Tenor hat die Deutsche José-Carreras-Leukämie-Stiftung im Jahr 1995 aus Dankbarkeit gegründet, dass er von seiner Leukämie-Erkrankung geheilt worden ist. Nun möchte er anderen Leukämie-Patienten helfen.
Die Stiftung hat bislang über 700 Projekte ermöglicht, die die Erforschung von Heilungsmöglichkeiten, die Förderung von Behandlungseinrichtungen, wie Transplantationseinheiten, Tageskliniken und Rehabilitationszentren sowie die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben.
Die "José-Carreras-Gala" zugunsten der José-Carreras-Leukämie-Stiftung findet in diesem Jahr am Donnerstag (17. Dezember) in Leipzig statt. Sie wird von der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) live im Fernsehen übertragen. Zahlreiche Stars werden sich dann wieder für Menschen mit Leukämie einsetzen.
pm: Philipps-Universität Marburg
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