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Zinn über die Jahrhunderte


Neue Ausstellung im Landgrafenschloss

06.03.2008 (atn)
Eine neue Ausstellung im Marburger Landgrafenschloss informiert ab Freitag (7. März) über Zinn-Gebrauchsgeräte. Sie gibt dabei einen umfassenden Überblick über Gebrauch, Handwerkskunst und künstlerische Formensprache von Zinngerät aus vier Jahrhunderten.
Waren Zinnbecher oder Zinnteller als Jahresgabe zum Sammeln vor zwei bis drei Jahrzehnten noch "modische Dekoration" in so manchem deutschen Wohnzimmer, so scheint Zinngerät heute wenig gefragt zu sein. Tatsächlich ging die Bedeutung des Zinngießer-Handwerks im frühen 19. Jahrhundert zurück, als sich die traditionellen Zünfte auflösten und Fayencen und Porzellane immer stärker auf den Markt drängten. Zinngerät verlor damit seine große Bedeutung, die es über Jahrhunderte hatte.
All diese Jahrhunderte deckt die Zinn-Ausstellung im Landgrafenschloss mit ihren Stücken ab: Das älteste Objekt der Ausstellung entstand um 1570. Das jüngste ist 1834 datiert.
"Kaum ein Museum kann dieses Spektrum an Zinngerät präsentieren", erklärte die Leiterin des Universitätsmuseums, Dr. Agnes Tieze stolz. Die 130 Exponate stammen aus einer Privatsammlung, die in über 50 Jahren zusammengetragen wurde und alle Nutzungsbereiche umfasst.
Entsprechend gliedert sich die Ausstellung in die Themenbereiche liturgisches Zinn, Zunftzinn, Gebrauchszinn und Edelzinn.
Als liturgisches Zinn werden Objekte des kirchlichen Gebrauchs wie Abendmahlskelche oder Taufgeschirre bezeichnet. Anderes liturgisches Gerät wie Hostien-Dosen, Messweinflaschen oder Leuchter unterscheidet sich oft nur durch seine religiösen Motive von Formen profanen Zinns.
Das Titelmotiv der Ausstellung ist ein Augsburger Schokoladen- oder Kaffeekännchen. Es gehört zum Gebrauchszinn. Es ist auf Silber-Art hergestellt, um die für den Adel entstandenen Silber-Erzeugnisse in Form und Erscheinungsbild nachzuahmen.
Unter Edelzinn versteht man zum Beispiel gravierte Prunkteller und Reliefplatten, die im Gegensatz zum Gebrauchsgerät rein repräsentativen Zwecken dienten. Solche Edelzinn-Geräte sind erstmals um 1550 in der damaligen Handelsmetropole Lyon nachweisbar und erreichten im folgenden Jahrhundert ihren künstlerischen Höhepunkt. Die aufwändige Verzierung bestand in dekorativen Mustern, in floralen und figürlichen Motiven sowie in mythologischen und biblischen Szenen.
pm: Philipps-Universität Marburg
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