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Zur Woche gekommen


Semana Latina als musikalisch-kulinarisch-politisches Angebot

10.09.2009 (fjh)
"Es ist gut, wenn Lateinamerika auch einmal im Mittelpunkt steht", findet Knut Kramer. Gemeinsam mit dem Marburger Musiker Jean Kleeb und dem Team des Waggonhalle Kulturzentrums stellte der Leiter der Musikschule Marburg am Donnerstag (10. September) das Programm der "3. Semana Latina" vor.
Von Donnerstag (17. September) bis Donnerstag (24. September) wird die lateinamerikanische Woche in der Waggonhalle stattfinden. Das Programm reicht dabei von Lesungen und Konzerten über einen Vortragsabend und Filmvorführungen bis hin zur Präsentation lateinamerikanischer Speisen.
Eröffnet wird die "Semana Latina" am Donnerstag (17. September) um 20 Uhr mit einer Szenischen Lesung von "Mein Vater Che Guevara – oder wie Fidel Spagetti kocht" in der Theaterfassung von Suzanne van Lohuizen. Dabei erinnert sich die älteste Tochter des Revolutionärs Ernesto Guevara an ihren Vater "Che", den sie wegen seiner häufigen Abwesenheit fast nicht gekannt hat.
Die "Cocina Latina" steht am Freitag (18. September) auf dem Programm. Bei diesem musikalisch-kulinarischen Abend servieren Knut Kramer an der Gitarre und Jean Kleeb am Klavier sowie die a-Cappella-Gruppe "Quintethno" lateinamerikanische Rhythmen. Dazu gibt es typisch lateinamerikanische Speisen von der Gaststätte "Rotkehlchen".
Mais und Maniok bilden ihre wichtigsten Grundstoffe. Um die Mengen passgenau einkaufen zu können, ist für dieses Büffet eine rechtzeitige Voranmeldung erforderlich.
"Wenn man sie schlecht kocht, sind sie giftig", warnte Kleeb vor unqualifizierten Herstellungsversuchen derartiger Speisen. "Wenn man sie gut kocht, sind sie ein hervorragender Botschafter der lateinamerikanischen Küche."
Den "Welt-Kindertag" begehen die Veranstalter der "Semana Latina" am Samstag (19. September) ebenfalls in der Waggonhalle. Ab 14 Uhr gibt es dort ein buntes Programm mit einem Flohmarkt von Kindern für Kinder. "Die Strümpfe der Flamingos" hat Diego Jascalevic vertont. Dieses Stück führt er am Samstagnachmittag gemeinsam mit Kindern der Musikschule Marburg in der Waggonhalle auf.
Am Abend tritt der in Kassel lebende Brasilianer mit seinem "Trio Diego Jascalevich" in der Waggonhalle auf. Der Musiker und Komponist ist bekannt für seine große Offenheit gegenüber verschiedensten Stilrichtungen. "Er ist sehr aktiv in der Weltmusik", berichtete Kramer. "Auch mit Peter Gabriel ist er bereits zusammen aufgetreten."
Ein Afro-kubanischer Percussion-Workshop mit Christoph Repp steht am Sonntag (20. September) auf dem Programm. Interessierte benötigen dafür nur geringe Vorbildung, erklärte Kramer dazu. Allerdings muss man sich auch hierzu vorher anmelden.
"Die Situation von Frauen in Honduras und die Organisation Comucap" lautet der Titel eines Vortrags am Montag (21. September). Die Referentinnen hat der Marburger Weltladen nach Deutschland geholt.
"Drei Minuten mit der Wirklichkeit" lautet der Titel eines Buchs von Wolfram Fleischhauer. Der Schauspieler Thomas M. Held wird bei der Lesung aus diesem Roman von "Tango para tres" musikalisch untermalt. Zu dieser Musik werden zudem Tänzerinnen und Tänzer die Bewegungen vorführen, die Fleischhauers Text beschreibt.
"Chorando a toa" ist der Titel eines Benefiz-Konzerts am Mittwoch (23. September). Im Rahmen der Semana Latina spielt die Musikschule "Favela Rocinha" aus Rio de Janeiro brasilianische Sambas und Choros. Die Band besteht aus brasilianischen Musikern dieses Projekts zur Bekämpfung von Drogenabhängigkeit und Perspektivlosigkeit.
"Die Favela Rocinha ist die größte und für ihre Kriminalität berüchtigste Favela von Rio. Sie ist etwa viermal so groß wie Marburg", berichtete Kleeb. "Die Musikschule wurde dort gegründet, um Jugendliche von der Straße wegzuholen."
Trotz der Anerkennung ihrer vorbildlichen Arbeit auch durch die brasilianische Regierung muss die Musikschule aber immer noch um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Deswegen schickt sie ihre besten Musiker nun mit demProjekt Hoffnungsklänge auf Tournee durch Deutschland.
Das Repertoire der Musikschule Rocinha umfasst den traditionellen Samba, Choro und Bossa Nova. "Damit kommt der Samba dorthin zurück, wo er einst entstanden ist", erklärte Kleeb. "In den Armenvierteln - den Favelas - haben die Musiker auf den Flachdächern gestanden und Musik gemacht gegen die Hoffnungslosigkeit."
Zum Abschluss der Semana Latina am Donnerstag (24. September) steigt eine Salsa-Party mit der Salsa- & Merengue-Band "Capitan Caribe".
"Wir haben ein sehr vielfältiges Programm zusammengestellt", freute sich Matze Schmidt vom Waggonhallen-Team.Seine Kollegin Christina Schmidt wies auf den Festival-Pass hin, der einen Besuch der nicht anmeldepflichtigen Veranstaltungen auf 25 Euro für Normalverdiener und 20 Euro für andere ermäßigt.
Alle Beteiligten hoffen, dass ihr vielseitiges Angebot auch möglichst vielen Menschen munden wird. Auch 2010 wollen sie wieder eine "Semana Latina" organisieren, denn "allein schon die Programmplanung hat wahnsinnig Spaß gemacht", erklärte Kramer.
Franz-Josef Hanke
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