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MATAM erhielt Preis für Atmungskontrolle

08.09.2009 (ms)
Mit dem zweiten Platz des 4. Hessischen Kooperationspreises wurden am Montag (7. September) Prof. Dr. Ulrich Koehler vom Schlafmedizinischen Zentrum des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (SMZ) und Lothar Leiche vom Ingenieurbüro für Medizintechnik (IfM) in Wettenberg ausgezeichnet. Prämiert wurde die gemeinsame Entwicklung "MATAM", an der insgesamt sechs Projektpartner aus mittelhessischen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen gearbeitet haben.
Die "Marburger Atem-Antwort-Messung" (MATAM) ist ein Verfahren, mit dem die Funktionsfähigkeit des "Regelkreises Atmung" überprüft wird. Damit wird untersucht, ob und wie die Rezeptoren in den Blutgefäßen und im Atemzentrum des Gehirns auf künstliche Veränderungen der Blutgase ansprechen.
Bei normaler Regulation kommt es mit einem Anstieg des Kohlendioxids zu einer Erhöhung des Atemzug-Volumens und der Atemfrequenz. Bei Patienten mit chronischer Lungenerkrankung oder schlafbezogenen Atmungsstörungen ist die Atem-Antwort mitunter deutlich eingeschränkt.
Sie kann jedoch durch spezielle Therapieverfahren wieder verbessert oder sogar normalisiert werden. Ein funktionsfähiger Regelkreis ist für die Atmung der Lebewesen von elementarer Bedeutung.
"Letztendlich können wir - auf den Messergebnissen aufbauend - neue Diagnostik- und Therapie-Strategien entwickeln", erläuterte SMZ-Leiter Koehler. "Es wird auch möglich sein, Risiko-Patienten zu erkennen, die durch Nebeneffekte von Medikamenten - speziell die der Atem-Depression - gefährdet sind."
Mit MATAM steht erstmalig ein automatisiertes und standardisiertes diagnostisches Verfahren zur Verfügung, das eine routinemäßige Anwendung in Klinik und Praxis erlaubt. "Das Schnellverfahren ersetzt die bisherigen aufwändigen Untersuchungen im Schlaflabor", erklärte Prof. Dr. Volker Groß, der bei der Entwicklung des Geräts noch an der Philipps-Universität forschte und jetzt an der Fachhochschule Gießen-Friedberg tätig ist. "Wir können Risiko-Patienten frühzeitig identifizieren und untersuchen, wie effektiv beispielsweise eine Beatmungstherapie ist.“
Das Schlafmedizinische Zentrum in Marburg ist seit fast 30 Jahren als "Wiege der deutschen Schlafmedizin" national und international bekannt. Hier wurde die Schlafapnoe "entdeckt" und aktiv beforscht.
Der so genannte "Marburger Koffer", den die Marburger Wissenschafter um Prof. Jörg Hermann Peter und Prof. Karl Mainzer 1982 entwickelten, war weltweit das erste Gerät, mit dem ambulant im Schlaf kontinuierlich Atmung, Sauerstoff und Herzschlagrate gemessen werden konnten. Auch heute noch ist es das Ziel der Arbeitsgruppe, Verfahren für eine verbesserte Diagnostik und Therapie von Lungen- und Atemwegserkrankungen zu entwickeln. Mit "MATAM" ist das in enger Zusammenarbeit mit dem mittelständischen Ingenieurbüro für Medizintechnik erneut gelungen.
"Die Großindustrie ist zu zögerlich und zu wenig risikobereit", erläuterte Koehler. "Sie ist in der Entwicklung zu weit weg von den Belangen der Klinik. Eine mittelständische Firma aus der Region ist bei diesen Fragen einfach nicht nur regional näher, sondern auch flexibler."
Mit der IfM fand er den richtigen Partner. Das Ingenieurbüro betreut seit 1985 etwa 7.000 Patienten in Hessen und gehört zu den führenden Anbietern von mobilen Atemunterstützungs- und Beatmungssystemen.
Initiator des Projekts war das Netzwerk Technologie & Innovation Medizinregion Mittelhessen Timm. Hierüber kam auch die Kooperation mit den übrigen Partnern zustande. Clustermanager Dr. Andreas Weißflog hielt alle Fäden in der Hand und führte das Gesamtprojekt zusammen.
"Die Medizintechnik ist in Mittelhessen ein wichtiger Wirtschaftszweig", erläuterte Weißflog. "Mit Timm besitzt die Region eine Brücke zwischen medizinischer Forschung und Medizintechnik. Die kurzen Verbindungen in der Region erweisen sich als eindeutiger Vorteil."
Dass die Zusammenarbeit der Partner keine Eintagsfliege bleibt, dafür sorgen bereits mehrere Nachfolgeprojekte, für die auch bereits Patente angemeldet wurden. "Der gemeinsame Erfolg mit MATAM ist für uns Türöffner für ganz neue Forschungsprojekte geworden", freute sich Koehler. "Die enge Verbindung und Kooperation von Medizinern, Naturwissenschaftlern, Technikern und der mittelständischen Industrie ist nahezu ein Garant für eine schnelle und erfolgreiche Umsetzung von Ideen."
pm: Philipps-Universität Marburg
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