25.08.2009 (fjh)
"Alle mal die Hand heben!" So lautete nicht nur der Titel eines Kabarett-Abends mit Daniel Helfrich in der
Waggonhalle. Zugleich zog sich diese Aufforderung am Montag (24. August) wie ein roter Faden durch seinen Auftritt im Rahmen des 10. Marburger Variete-Sommers.
Wiederholt forderte Helfrich das Publikum auf, die Hand zu heben: Männer, Frauen, Menschen mit Seh-Problemen oder falschen Brillen, mit Achselschweiß – nein, die dann doch lieber nicht! – oder Menschen, die schon einmal die Steuer beschummelt haben, sollten die Hand heben.
Über weite Strecken wirkte Helfrichs Programm heiter und nett, aber ein wenig handzahm. In seinen Texten auf bekannte Melodien konnte sich der Entertainer nicht immer entscheiden, was er da eigentlich besingen wollte. Zwar gab es immer einen roten Faden, aber der war manchmal doch ziemlich beliebig in der Verknüpfung vollkommen unterschiedlicher Themen.
Nett war Helfrichs Hommage auf den Odenwald, den er als ländlich rückständige Region mit viel Charme vorstellte. Etwas bissiger war ein Lied, in dem er im wahrsten Sinne der Worte auf den Hund gekommen war.
Helfrichs Witz zeigte sich am ehesten bei seinen Wortspielen. Wenn er einen Hund namens "Bismarck" besang, der einen anderen namens "Mark" biss, dann entstand ein wahrer Zungenbrecher: "Bismarck biss Mark, bis Mark Bismarck biss."
Ein gelungenes Wortspiel gibt auch der Titel "Augen-Lied" wieder, der mit einem recht gelungenen Text korreliert. Da blieb wirklich kein Auge trocken.
Auch die politischen Passagen in Helfrichs Programm waren meist ganz ordentlich. Hier zeigte der Kabarettist sein Talent ebenso wie beim Spiel am Konzertflügel.
Auch wenn er sich zum katholischen Priester verkleidete und die Geschichte der Kerze "Timo" und ihrer Freundin "Hilde" besang, dann passten Mimik und Text zusammen wie der gemeinsam entfachte "Timo-Hilde-Brand". Und der gemeinsame Sohn Max verzweifelte über die ständige Aufforderung seiner Eltern Timo und Hilde: "Wachs!"
Bedauerlicherweise hatten am Montagabend nur knapp 50 Besucher den Weg in die Waggonhalle gefunden. Der sympathische Kabarettist aus dem Odenwald hätte wirklich mehr verdient gehabt. Die knapp zwei Stunden Programm mit Hand Heben waren durchaus vergnüglich und stellenweise sogar richtig bissig.
Franz-Josef Hanke
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