21.08.2009 (fjh)
"Nie den Mut verlieren!" Unter diesen Titel eines Buchs von Prof. Dr. Karl Winnacker hatte Liz Mohn ihren Festvortrag zur Verleihung des Winnacker-Preises 2009 gestellt. Als Vorsitzender des Marburger Universitätsbunds überreichte Prof. Dr. Dr. Uwe Bicker ihr die Auszeichnung am Freitag (21. August) in der Aula der Alten Universität.
Die Preisträgerin ist nicht nur stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung, sondern darüber hinaus auch im Aufsichtsrat der Bertelsmann-AG aktiv. Die zehnte Winnacker-Preisträgerin ist die erste Frau in dieser illustren Runde so bekannter Persönlichkeiten wie Heinz Risenhuber, Martin Vießmann und Ludwig Georg Braun.
Mit dem Winnacker-preis würdigt der Marburger Universitätsbund gemeinsam mit der
Philipps-Universität herausragendes Engagement zugunsten einer stärkeren Verknüpfung wirtschaftlicher Aktivitäten mit der Hochschule. In diesem Sinne hatte sich auch der Stifter und Namensgeber des Preises hervorgetan, der nach dem Zweiten Weltkrieg als deren Vorstandsvorsitzender die Höchst-AG wieder aufbaute.
Die Förderung der Wissenschaft im Sinne Karl Winnackers habe sich auch Liz Mohn auf die Fahnen geschrieben, berichtete Bicker in seiner Laudatio auf die Preisträgerin. Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann Reinhard Mohn habe sie entsprechende Leitlinien für die Bertelsmann-Stiftung entwickelt, die beispielsweise auch das Centrum für Hochschul-Entwicklung (CHE) als Joint-Venture der Stiftung mit der Hochschul-Rektorenkonferenz (HRK) hervorgebracht haben.
Aus eigener Betroffenheit ihrer Familie heraus gründete Mohn 1993 die Stiftung "Deutsche Schlaganfall-Hilfe". Nicht zuletzt auch ihr verdanke Deutschland den mittlerweile hohen Standard bei der Behandlung von Schlaganfällen. Das Preisgeld von 5.000 Euro will Mohn an die von ihr gegründete Schlaganfall-Stiftung spenden.
In der - von ihrer Familie gegründeten - Bertelsmann-Stiftung setze sich die Preisträgerin für eine Unternehmenskultur in sozialer Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft ebenso wie für einen interkulturellen Dialog ein. Hierbei habe sie sich besondere Verdienste um den Dialog mit Israel erworben, die in israelischen Auszeichnungen für Liz Mohn deutlich erkennbar würden.
In ihrem Festvortrag betonte die Unternehmerin die soziale Verantwortung der Wirtschaft gegenüber der Allgemeinheit: Ohne flache Hierarchien sei Innovation im Unternehmen wesentlich schwerer, erklärte sie. Dabei stützte sie ihre Argumentation auf repräsentative Befragungen der Bertelsmann-Stiftung, die den Firmen mit einer demokratischeren Unternehmenskultur auch eine größere Motivation der Beschäftigten und schließlich auch eine höhere Produktivität bescheinigen.
Angesichts der ökologischen wie auch der sozialen Probleme weltweit sei Innovation dringend erforderlich. Dabei müsse man auch unkonventionelle Gedanken zulassen, forderte Mohn. Schließlich habe sich kaum jemand vor 25 Jahren die Zukunft mit Computern, e-Mails und Internet so vorgestellt, wie der Alltag heute sich darstellt.
Franz-Josef Hanke
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