26.07.2009 (fjh)
Auch die kritischen Stimmen mehren sich im Vorfeld des Besuchs des 14. Dalai Lama in Marburg. Tenzin Gyatso Soll am Montag (3. August) im Marburger Landgrafenschloss die Ehrendoktor-Würde der
Philipps-Universität erhalten.
Gewürdigt werden damit die wissenschaftlichen Verdienste des Dalai Lama. Verliehen wird ihm die Auszeichnung vom Fachbereich fremdsprachige Philologien der Philipps-Universität. Urheber der Würdigung waren die dortigen Tibetologen.
Nun fragen manche Zeitgenossen, welche wissenschaftliche Leistungen das religiöse Oberhaupt der tibetischen Buddhisten wohl vollbracht habe. Die Verdienste des Dalai Lama bestünden doch wohl eher in unzähligen Reisen rund um die Welt und seinem fortdauernden Kampf gegen die Annektion Tibets durch die chinesische Regierung.
Vorgehalten wird dem Friedensnobelpreisträger mitunter auch die dubiose Rolle seines einstigen Erziehers und Lehrers Heinrich Harrer während der Nazi-Zeit. Doch kann man den Dalai Lama wohl kaum für eine Nazi-Verstrickung seines Erziehers verantwortlich machen.
Die Schriften des Dalei Lama haben überwiegend religiösen und spirituellen Charakter. Wenn man Theologie als Wissenschaft anerkennt, dann muss man seine Schriften auch als wissenschaftliche Werke würdigen.
Immerhin sind sie in dermaßen großen Auflagen rund um die Welt verkauft worden, wie andere theologische Schriften sie kaum erreicht haben dürften. Allein die Bibel läuft ihnen noch locker den Rang ab.
Egal, wie man letztlich zum Dalai Lama steht, ist seine Würdigung gewiss kein schlechter Schachzug gewesen. Wenigstens den Verleihern bringt sie einigen Glanz ins Haus. Denn schon jetzt stehen die Schaulustigen Schlange, um wenigstens ein wenig von der Promotionsfeier abzubekommen.
Nur handverlesene Gäste werden ihr jedoch beiwohnen. Aber Funk und Fernsehen werden sicherlich dabeisein, wenn der Dalai Lama zum Doktor promoviert wird. Ein publikumsträchtiger "Event" ist diese Veranstaltung allemal.
Franz-Josef Hanke
Text 2533 groß anzeigenwww.marburgnews.de