28.02.2008 (sts)
Nicht nur in der Politik oder beim Fußball ist Italien ein unruhiges Land. „Inquietudini“ (deutsch: Unruhe) lautet daher der treffende Titel des Deutschen Italianistentags in Marburg vom 28. Februar bis 1. März. Mehr als 100 Hochschullehrer, Nachwuchswissenschaftler und Lehrer aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz fanden sich am Donnerstag (28. Februar) im Hörsaalgebäude zur Eröffnung der Tagung ein. Der Vorsitzende des Deutschen Italianistenverbands, Prof. Dr. Rudolf Behrens von der Ruhr-Universität Bochum, begrüßte die Teilnehmer mit einer italienisch-ironischen Rede zur Unruhe.
„Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Italien soviel Regierungsbildungen hinter sich, wie Kalenderjahre vergangen sind“, sagte er spöttelnd. Doch wie bei einer Uhr die Unruh letztlich für das reibungslose Funktionieren verantwortlich sei, so gehörten eben die unruhigen Überraschungen zur Funktionsweise Italiens. Die Pole der Unruhe, von der Angst bis zur „unberechenbaren Produktivität“ will der Italianistentag ausloten.
Eine gewisse Unruhe im Kreise der Italianisten ist schon durch die deutschlandweit sinkende Zahl von Studierenden des Faches zu verzeichnen. Während sich andere romanische Sprachen wie Spanisch immer größerer Beliebtheit erfreuen, sind viele Italienisch-Institute geschlossen oder verkleinert worden. „Wir müssen den Kontakt zu den Schulen suchen und halten, sozusagen den Boden beackern, um mehr Nachwuchs für Italien zu begeistern“, forderte Behrens. Dr. Piero Di Pretoro, der Leiter des Italienischen Kulturinstituts in Frankfurt, sprach sich in seiner Begrüßungsrede für die Einrichtung eines Italienzentrums an der dortigen Goethe-Universität aus. Der kulturelle Austausch zwischen Italien und Deutschland habe schließlich eine lange Tradition, die es zu bewahren gelte.
Der Präsident der Philipps-Universität, Volker Nienhaus, und Oberbürgermeister Egon Vaupel betätigten sich abschließend als Marburger Fremdenführer. Nienhaus lud die Anwesenden zur Besichtigung des Alten Botanischen Gartens ein, an dem der neue geisteswissenschaftliche Campus entstehen soll. Vaupel betonte das italienische Flair der Oberstadt, das ihn beim Blick aus dem Rathausfenster sogleich an die Toskana erinnere.
Das kulturelle Rahmenprogramm des Italianistentages wurde am Abend mit einer Lesung des Schriftsteller Tiziano Scarpa fortgesetzt. Am Freitag (29. Februar) präsentiert das Duo Fiorentini/Drago ab 19:30 Uhr im Ernst von Hülsen-Haus Werke von Vivaldi, Beethoven, Paganini und Schostakovitch.
Stephan Sonntag
Text 243 groß anzeigenwww.marburgnews.de