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Kraftvolle Musik


Litauisches Orchester in der Stadthalle

28.02.2008 (fjh)
Beim Konzert einschlafen konnte an diesem Abend ganz bestimmt Niemand. Denn Gintaras Rinkevicius pflegt einen überaus kraftvollen Dirigier-Stil. Mit dem Litauischen Staats-Sinfonie-Orchester gastierte er am Mittwoch (27. Februar) in der Stadthalle.
Gleich zu Beginn zeigte das Orchester mit "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" von Modest Mussorgsky seine Stärken. Laut und kraftvoll intonierte es die musikalische Darstellung eines Hexen-Sabbats. Drohend dröhnten die Geister der Unterwelt in den Konzertsaal hinein. Leise und sanft hingegen erklangen beim morgendlichen Erwachen die Glocke eines nahegelegenen Kirchleins und die musikalische Untermalung von Flöte und Violine.
Sergej Prokoffief konnte mit seinem Violinkonzert Nummer 1 in D-Dur mit der Opus-Nummer 19 aber nicht an diese Stimmung anknüpfen. Vor allem der erste Satz war wenig harmonisch. Allein der Rhythmus trieb ihn voran, während die Melodie immer wieder verfremdend gebrochen wurde.
Als Solistin war Anna Sophie Dauenhauer hier kurzfristig für den erkrankten Rodion Zamuruev eingesprungen. Zweite Wahl war diese Violin-Virtuosin aber ganz gewiss nicht. Besonders im zweiten und dritten Satz zeigte die 25-jährige ihr Können und verlangte ihrem Instrument nahezu alles ab, was man aus einer Violine herausholen kann. Begeisterte Ovationen des Publikums waren der gerechtfertigte Dank für ihr virtuoses Spiel.
Nach der Pause intonierte das Orchester dann Antonin Dvoraks Sinfonie Nummer 7 in D-Moll mit der Opus-Nummer 70. Wieder ertönten die lauten Passagen mit besonderer Kraft. Aber auch die leisen Sequenzen gelangen dem Klangkörper durchaus.
Mit weit ausladenden Bewegungen dirigierte Rinkevicius das Orchester.
Mehr als die Hälfte der Musiker war weiblich. Der Kraft, wie auch der Virtuosität des Klangkörpers tat das aber keinen Abbruch.
Mit der Zugabe motivierte das Orchester sein Publikum zu regelrechten Begeisterungsstürmen. "L' Arlesienne" von Georges Bizet brachten die Musiker mit einer solchen Spielfreude zu Gehör, dass man sie dabei nicht nur strahlen sah, sondern ihre Freude auch sehr gut hören konnte. Schwungvoll und flott servierten sie das Stück über eine Frau aus dem französischen Städtchen Arles, die an diesem Abend sicherlich allen Anwesenden sehr gut gefallen hat.
Gutgelaunt und hellwach verließen die meisten Zuhörer nach zwei Stunden das Gastspiel beim Marburger Konzertverein. Es muss nicht immer nur Bach, Mozart oder Beethoven sein. Das hat das Litauische Staats-Sinfonie-Orchester bei seinem Konzert am Mittwochabend eindrucksvoll bewiesen.
Franz-Josef Hanke
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