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Vein mit Greg Osby


Jazz-Quartett aus Basel brillierte

27.02.2008 (jnl)
Jazz kann aufregend emotional sein. Das bewies das Gastspiel des Klavier-Trios VEIN plus Gaststar Greg Osby am Dienstag (26. Februar) im Kulturladen KFZ. Die verlässlich gute Programmarbeit der Jazz-Initiative Marburg (JIM) brachte den Geheimtipp aus Basel nach Marburg.
Leider waren nur rund fünfzig Jazzfreunde gekommen. Mangels Festival-Auftritten in Deutschland ist die Combo offenbar nur wenigen bislang bekannt.
Vein besteht aus den 32-jährigen Zwillingsbrüdern Michael und Florian Arbenz an Klavier und Schlagzeug sowie dem 6 Jahre jüngeren Kontrabassisten Thomas Lähns. Alle drei, so stellte sich heraus, haben eine Ausbildung als Klassik-Instrumentalisten. Dennoch überzeugten sie auf der ganzen Linie als improvisierende Musiker.
Der New Yorker Altsaxophonist Greg Osby ist ein international bekannter Star der zweiten Reihe. Der 47-Jährige spielte, bevor er selber Bandleader wurde, unter anderem mit Dizzy Gillespie und Jack DeJohnette. Er hat sich in den letzten Jahren dem akustischen Jazz zugewandt.
Wo - außer bei Konzerten der JIM - darf das Publikum lobenswerterweise mitentscheiden, ob eine Pause eingelegt oder durchgespielt wird. Nicht in einem Rutsch lautete das Ergebnis.
Das erste Set bestritt das Quartett mit Eigenkompositionen jeweils von Florian sowie Michael Arbenz und eine weitere von Osby. Die Musiker brachten das Kunststück fertig, zugleich sehr temporeich und spieltechnisch offen zu strukturieren. Ihre ausgeprägte Fähigkeit, jederzeit genau aufeinander zu hören, erregte, wie die Pausengespräche zeigten, Staunen.
Das Quartett kam ohne Monitorboxen aus. Die Melodieführung ging beinah unmerklich vom Saxophon zum Flügel-Piano und zurück. Aufgrund einer zehnjährigen Zusammenarbeit verstehen sich die beiden Musiker offenbar geradezu blind.
Kontrabass und Schlagzeug übernahmen bei weitem nicht nur dienende Funktionen. Über die zahlreichen eigenen Soli beider Rhythmus-Instrumentalisten hinaus, überraschte auch ihr Hintergrundspiel durch Lebendigkeit, überraschende Einfälle und Variationsbreite.
Lähns zeigte einen überaus gefühlvoll gespielten Bass, fliegende Finger und eine sprechende Mimik dazu. Seine gelegentlichen Ausflüge mit dem Streichbogen waren spannende Episoden.
Florian Arbenz erwies sich als Tausendsassa des perkussiven Vielklangs. Zumeist pflegte er ein äußerst dynamisch angelegtes fließendes Rhythmen-Wildwassser. Weit entfernt von einförmigen Routiniers-Pfaden baute er ständig Wendungen und Wirbel in den harmonisch den Sound tragenden Strömungsverlauf.
Er beherrschte indes gleichermaßen die hingetupften Entschleunigungen mit den Jazzbesen. Eigenartigerweise waren seine mehrminütigen Soli weniger inspiriert als sein Teamspiel.
Aber das mag der Tagesform geschuldet gewesen sein.
Michael Arbenz Flügelspiel beeindruckte durch kraftvolle und rhythmisch sehr variantenreiche Spielfreude. Der Linkshänder brillierte ganz ungewohnt in den tiefen Tönen. Perlende Triolen und kunstvoll kontrapunktiernde Tonfolgen ließen keine Minute Langeweile aufkommen.
Osby überzeugte durch genial ineinander verknüpfte Phrasierungen und Melodiebögen. Seine Atemtechnik zauberte aus kurzen Schwüngen aufregend emotionale und geradezu narrative Passagen. Es wirkte manchmal als bewege er sich tauchend durch ein tropisches Korallenriff. Jeder Blick zur Seite entspricht darin einer Tonfolge und einer neuen, unerwarteten Wendung.
Im Set nach der Pause erwiesen sich die Vein-Mitglieder entsprechend ihrem CD-Titel "Standards-No Standards”als ebenso großartige Interpreten. Stücke wie "All the things you are" klangen überzeugend eigenständig umgesetzt.
Ein überaus beeindruckendes Konzert boten die Baseler, das dauerhaft in Erinnerung bleiben wird. Ein erneutes Gastspiel in zwei Jahren wäre mit Sicherheit doppelt so gut besucht wie diese Erstlings-Auftritt.
Jürgen Neitzel
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