22.06.2009 (fjh)
"Die Luxus-Marke Louis Vuitton sollte Größe zeigen und sich von einer Rotkreuz-Altkleiderkammer nicht bedroht fühlen", erklärte Dr. Thomas Spies am Montag (22. Juni) in Marburg.
Nach Ansicht des sozialpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion sollte die Firma die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Steinweg nicht "durch Forderungen nach enormen Anwaltshonoraren in ihrer Existenz bedrohen". Hintergrund der Intervention des Marburger SPD-Landtagsabgeordneten ist ein Verfahren, das der Luxus-Konzern Louis Vuitton gegen das Marburger Rote Kreuz angestrengt hat.
Ein Testkäufer hatte im Kleiderladen des DRK eine Tasche mit einem gefälschten Louis Vuitton Muster entdeckt. Ein Anwalt forderte daraufhin Unterlassung vom DRK Marburg und berechnete dafür 2.600 Euro Anwaltskosten.
Da es sich bei der Kleidung um Spenden handelt, ist die Herkunft der Tasche jedoch nicht mehr feststellbar. Tätig sind im Laden vor allem ehrenamtliche Helfer.
"Natürlich ist Musterschutz ein wichtiges Instrument, um die Rechte von Unternehmen zu schützen", bekräftigte Spies. Hier aber sei offenkundig jedes Maß verloren gegangen.
"Es handelt sich beim Roten Kreuz nicht um eine Fälscherbande, sondern um eine karitative Einrichtung der Armenhilfe", stellte Spies klar. Die Tatsache, dass der Laden sich wie ein „normales“ Geschäft präsentiere , sei "ein Akt des Respekts vor den Ärmsten in der Gesellschaft", die keine Almosen wollten und trotzdem mit wenig auskommen müssten.
"So ein Verfahren gefährdet nicht nur diese Kleiderkammer", befürchtet Spies. Deshalb habe er sich umgehend brieflich an Louis Vuitton Deutschland mit der Bitte gewandt, das Verfahren zurückzuziehen und das Rote Kreuz von allen Kosten freizustellen.
Es sei abwegig, zu glauben, das Rote Kreuz wolle mit "geschützten Mustern Ihres Unternehmens einen Gewinn machen", meinte Spies in dem Schreiben. Offenbar hätten die dort tätigen ehrenamtlichen Helfer die Zuordbarkeit des Musters nicht erkannt.
"Auch werden die Kunden Ihres Unternehmens nur in seltenen Fällen in einer Kleiderkammer einkaufen", schrieb Spies an Louis Vuitton. Der Marburger Politiker hofft nun, dass Louis Vuitton die Absurdität der Angelegenheit erkennt und den Vorgang aus der Welt schafft. Das sei für das Unternehmen schon deshalb wichtig, um einen Image-Schaden zu vermeiden.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute eine Marke, die gegen Armenhilfe kämpft, am Leib tragen wollen", vermutete Spies abschließend.
pm: Dr. Thomas Spies, MdL
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