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Farlowe gegen Mittelmaß


Hamburg Blues Band brillierte im KFZ

21.02.2008 (jnl)
Die "Hamburg Blues Band" bringt immer noch die Fans zum Tanzen und Träumen. Auf der Tournee zu ihrem 25-jährigen Bestehen gastierte sie am Mittwoch (20. Februar) im Kulturladen KFZ.
Zusätzlichen Glanz verliehen ihrem Auftritt die beiden Gastmusiker Clem Clempson und Chris Farlowe von der legendären Band "Colosseum". Gesundheitsbedingt bestritt Farlowe allerdings nur die zweite Hälfte des Konzerts.
Vor ausverkauftem Haus gingen die Hamburger bereits mit dem ersten Stück "Hitting the Spot" tempomäßig in die Vollen. Mit heavy groovendem Rhythm'n'Blues boten auch die Stücke "Make my Day" und "Trouble Man" gut in die Beine gehende rockige Wucht.
Das vom Durchschnittsalter her auf rund 45+ zu schätzende Publikum fing überall an zu Wippen oder gar zu Tanzen. Viele Gesichter strahlten. Besonders gefielen die einfallsreichen Gitarrenläufe, die der Gastsstar Clempson auf seinem Instrument hervorzauberte.
Bedauerlicherweise war es nichts mit den ursprünglich angekündigten Gitarrero-Dialogen zwischen Clempson und dem Stamm-Leadgitaristten Alex Conti. Wie erst nach dem Konzert im Interview herauskam, hatte Conti die Tournee nach einem Band-internen Streit für sich abgebrochen. Da die laufende Tour nach bundesweit knapp 50 Auftritten ohnehin am Ende der Woche zu Ende ging, machte es aber nichts.
Clempson, der in einem Atemzug mit Eric Clapton gennannt zu werden verdient, könnte jeden anderen Gittaristen vergessen machen. Hervorgehoben zu werden verdient auch der exzellente Schlagzeuger Hans Wallbaum. Auf der Bühne wirkte er weit mehr als der Bandgründer und Frontmann Gerd Lange als eigentliches visuelles und intuitives "Herz" der Band. Dagegen hinterließ der Rhythmus-Gitarrist und Sänger Lange musikalisch einen blassen - nicht wirklich überzeugenden - Eindruck.
Mit dem Bassisten Michael "Bexi“ Becker als jüngstem Band-Mitglied hatte der oftmals ins hardrockige fließende Sound einen präzise grundierenden Eckpfeiler. Als Verstärkung dabei war der seit langem in Deutschland lebende britische Keyboarder Adrien Askew. Er spielte früher in den Formationen "Atlantis" und "Lake". Seine perlenden Ton-Läufe gingen im Sound-Teppich aber leider meist unter. Wenn er jedoch Soli ertrotzte oder in Dialoge mit Clempson einstieg, kamen seine beträchtlichen Qualitäten zur Geltung.
Die Stücke waren - wie im Blues-Rock durchaus üblich - zumeist gute zehn Minuten lang. "Dafür, dass wir Ruhige Kugel abziehen, sind wir eher nicht bekannt", drückte es Frontmann Gerd Lange ganz direkt aus. Ruhige, sentimentale Stücke gab es tatsächlich fast keine.
Ein Stück wurde ironisch angekündigt als "Welt-Uraufführung", weil es ziemlich ungeprobt ins Repertoire des Tages aufgenommen worden war. Einige weitere Songs werden auf dem in allernächster Zeit geplanten neuen Studio-Album enthalten sein. Vermutlich wird das Album "Mad Dog Blues" heißen.
Nach der Halbzeit-Pause bestieg der Weltklasse-Sänger Chris Farlowe die Bühne und verlieh dem Konzert einen weiteren, unvergesslichen Aufschwung. Lange war ab da nur noch Staffage. Der weißhaarige 67-jährige Farlowe war mit humorvollen Ansagen und einer nach wie vor fulminanten Gesangsleistung der absolute Publikumsliebling.
Auch die Band wuchs förmlich über sich hinaus aus kollegialer Liebe zu dem "Rampen-Urviech" Farlowe. Sticheleien in den Zwischenansagen und musikalische Dialoge in fliegendem Wechsel mit allen Mitmusikern ließen kein Auge trocken. Beim "Stormy Monday Blues" dachte man angesichts eines scattenden und jodelnden Chris Farlowe nicht an die wohlbekannte Album-Version von "Colosseum", so anders konnte die "Hamburg Blues Band" diese Nummer gestalten.
Schon vor der Pause war das fünfte Konzert der Hamburger im KFZ ausgesprochen gelungen. Dank der überragenden Ausstrahlung von Chris Farlowe steigerte es sich bis zum Schluss zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Jürgen Neitzel
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