17.05.2009 (fjh)
Manchmal möchte man meinen, Marburg sei ein vollkommen friedliches Idyll. Durch die verwinkelten Gässchen der Oberstadt weht schließlich der Hauch vieler hundert Jahre Geschichte. Dennoch herrscht auch hier mitunter Streit, der jetzt sogar zu eskalieren droht.
An Heftigkeit zugenommen haben die Auseinandersetzungen um den "6. internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge". Seine evangelikal ausgerichteten Ausrichter scheinen mit ihren Vorstellungen von einer vermeintlichen "Heilbarkeit" der Homosexualität tatsächlich noch nicht in der Gegenwart angekommen zu sein. Derweil wirken die Kritiker der Veranstaltung zumeist recht aufgeklärt und modern.
Das gilt allerdings weniger für ein sogenanntes "Bündnis", das sich unter dem Etikett "Kein Raum für Homophobie und religiösen Fundamentalismus" gegen den evangelikalen Kongress wendet. Die Sprecherin dieses "Bündnisses" hat die Stadt Marburg und die Philipps-Universität aufgefordert, den Veranstaltern der Tagung keine Räume zur Verfügung zu stellen.
So richtig die Kritik an homofoben und reaktionären Vorstellungen der Veranstalter ist, so falsch ist die Forderung nach einem Verbot oder dem Entzug der Räume. Dabei handelt es sich um repressive Mittel, die eines demokratischen Diskurses unwürdig wären.
Besser ist da die Forderung der Marburger Linken nach einer Beteiligung von Schwulen- und Lesben-Vertretern an den Podien des Kongresses. Notwendig ist auch eine unmissverständliche Klarstellung, dass die Stadt Marburg für die Freiheit von Schwulen und Lesben sowie ihren individuellen Lebensweisen eintritt.
Die angebliche "Heilung" Homosexueller grenzt tatsächlich an überkommene und gefährliche Positionen. Bekämpfen muss man undemokratische Vorstellungen allerdings immer mit demokratischen Mitteln. Faschistoide Vorgehensweisen hingegen rücken faschistoide Propagandisten möglicherweise in ein Licht, das sie nicht verdient haben.
Franz-Josef Hanke
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