18.02.2008 (sts)
Mit "Raus ins Leben" hat die
Stadt Marburg ein bundesweit in dieser Form einmaliges Sozialprojekt für nicht erwerbsfähige Menschen geschaffen. Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD), die Projektleiterin Heike Klewinghaus und die Leiterin der Freiwilligenagentur Marburg, Doris Heineck, zogen am Montag (18. Februar) eine erste Zwischenbilanz.
Seit Juni 2007 konnten 25 Menschen in das Projekt aufgenommen werden. Derzeit werden 17 Personen betreut.
Das Projekt will solchen Menschen neue Perspektiven eröffnen, die aufgrund körperlicher oder psychischer Erkrankungen als nicht erwerbsfähig gelten und Leistungen vom Sozialamt erhalten. Auf freiwilliger Basis erhalten Betroffene die Möglichkeit einer sinnstiftenden Tätigkeit in Firmen oder Vereinen.
"Wir wollen den Menschen wieder ein Stück Lebensqualität zurückgeben, sie wieder mehr am Leben beteiligen", beschrieb Sozialdezernentin Weinbach das Anliegen von "Raus ins Leben". Aufgrund der Erkrankung und der Erwerbsunfähigkeit würden viele Betroffene zunehmend vereinsamen.
Das Gros der Teilnehmer ist erst zwischen 30 und 45 Jahre alt, besitzt einen höheren Bildungsabschluss und musste durch die Erkrankung die persönliche Lebensplanung aufgeben. "Viele der Betroffenen wollen unbedingt wieder etwas tun und sind froh, wenn wir ihnen ein individuell zugeschnittenes Angebot machen können", sagte Klewinghaus.
Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Arbeitstempo werden passgenau auf die Möglichkeiten der Teilnehmer abgestimm. Eine Beendigung ist jederzeit möglich.
Die Tätigkeits-Orte sind sehr unterschiedlich.Sie reichen von Bibliotheken oder Museen bis zu Altenheimen oder Firmen. Alle Teilnehmer treffen sich regelmäßig zu einem Stammtisch, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.
Ursprünglich sollten den Erwerbsunfähigen Freiwillige zur Seite gestellt werden, die sie bei der Arbeit begleiten sollten. Es wurde aber schnell deutlich, dass das nicht nötig war. Die Projektteilnehmer wünschten sich freiwillige Helfer viel eher für ihren Freizeitbereich.
"Damit hat sich das Anforderungsprofil natürlich völlig gewandelt. Wir suchen nun eine ganz andere Klientel von Freiwilligen", erläuterte Heineck. Zu diesem Zweck laden die Freiwilligenagentur und die
Volkshochschule Marburg (VHS) am Dienstag (26. Februar) um 18.30 Uhr alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung in der VHS ein.
Stephan Sonntag
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