17.02.2008 (fjh)
Als eine Art "Warten auf Godot" in Frauen-Fassung war "Die Liste der letzten Dinge" angepriesen worden. Das Stück von Theresia Walser feierte am Samstag (16. Februar) im Rahmen des
Projekts "2CK" Premiere im Theater am Schwanhof (TaSch 1).
Der Vergleich mit Samuel Becketts absurdem Klassiker ist allerdings zuviel der Ehre für die 40-jährige Autorin. Im Gegensatz zur vorangegangenen Premiere der
Komödie "Der Hässliche" von Marius von Mayenburg war Walsers Stück weder witzig, noch kurzweilig. Vielmehr versank die Inszenierung von Anna-Lena Kühner nach und nach in der Langeweile der pseudo-intellektuellen Vorlage.
Pia und Helen warten auf den "Inquisitor". Die beiden Frauen haben beschlossen, die Welt von sich zu "erlösen". Vorher tauschen sie aber noch kleine Spitzen und Boshaftigkeiten miteinander aus.
Schließlich kommt eine dritte Frau ins Spiel. Georgina bringt die beiden Suizidantinnen aus ihrem Konzept. Die - bis dahin kaum vorhandene - "Handlung" nimmt ihren tragischen Lauf.
Christine Reinhardt als Helen, Franziska Knetsch als Pia und Juliane Nowak als Georgina haben ihre Rollen zwar professionell und überzeugend auf die Bühne gebracht. Doch wo keinerlei Ereignisse das Publikum ansprechen und die einzige Bewegung darin besteht, dass Pia oder Helen einmal ein paar Stufen die Leiter hinauf- oder herabsteigen, da vermag auch die beste Darstellung und Regie nicht zu fesseln.
Der - noch einigermaßen originelle - Einstieg in den Dialog der beiden lebensmüden Frauen hätte noch Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen können, die die Autorin aber nicht wahrgenommen hat. Stattdessen kreiste sie träge im selbstbemitleidenden Gespräch der beiden Protagonistinnen über ihre Männer, über entflohene Mörder und den Scheiterhaufen, auf dem beide sich verbrennen wollen.
Diese bemühte Möchtegern-Tiefe mag vielleicht auch irgendwo ein Publikum finden. Einen genussvollen Theaterabend kann Walsers Stück aber allein schon wegen seines misslungenen Schlusses nicht bieten.
Dem irritierten Kritiker drängt sich angesichts dieses im Juli 2006 vom Bayerischen Staatsschauspiel in München uraufgeführten Stücks die Frage auf, ob Theresia Walser ihren Erfolg als Bühnen-Autorin nicht in erster Linie dem bekannten Namen ihres Vaters Martin walser verdankt. Solche an den Haaren herbeigezogenen Stoffe ohne dramatische Steigerung und ernsthaften Tiefgang sollte jede publikumsfreundliche Bühne besser meiden.
Franz-Josef Hanke
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