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Blind Beauty


Behinderte Frauen entdecken ihre eigene Schönheit

01.03.2009 (fjh)
"Blind Beauty" ist der Titel eines Buchs, das Jennifer Sonntag und Heike Herrmann im Sommer 2009 herausgeben wollen. Mit diesem Buch stellen sie erblindenden und blinden Frauen ein Forum zur Verfügung , um ihre eigene Attraktivität wiederzuentdecken und über ihren Bezug zu ihrer Weiblichkeit, Schönheit und Ausstrahlung in verschiedenster Ausdrucksform zu berichten.
Die Diplom-Sozialpädagogin Sonntag ist bereits Autorin von zwei Büchern. Herrmann ist Psychotherapeutische Heilpraktikerin und Supervisorin aus Marburg sowie Gründerin von Captain Handicap. Dabei handelt es sich um ein Beratungskonzept für Menschen mit und ohne Behinderung.
Die Ausdrucksform der blinden Autorinnen im Buch kann ein Text, ein Foto oder auchein Gedicht sein. In ihrem Aufruf zu diesem Buch schrieben die beiden Herausgeberinnen unter anderem: "Eleganz, Attraktivität, Stolz, Sinnlichkeit, Erotik und Blindheit widersprechen sich nicht."
Zu ihrer großen Freude meldeten sich sehr viele Frauen. "Es macht riesigen Spaß, zu sehen, welch unterschiedliche Herangehensweisen solch eine Ausschreibung hervorbringt und wieviel Ähnlichkeiten doch vorhanden sind", berichtete Herrmann. "Allein die vielen verschiedenen Texte zu lesen, hat mir persönlich sehr viel Inspiration gegeben."
Zirka 30 bis 35 Frauen werden zu diesem Buch mit Texten, ihren Fotos oder ihren Gedichten beitragen. Es sind Frauen zwischen 20 und knapp 80 Jahren, Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet und weit darüber hinaus.
Eines werde durch dieses Buch ganz klar, erläuterte Herrmann: "Diese Frauen, die sich an diesem Projekt beteiligen, mußten wir nicht erst auf den roten Teppich locken. Sie stehen mitten drauf. Sie sind stolz auf ihre Attraktivität, ihre Eleganz, ihren guten Geschmack, ihre Weiblichkeit und denken gar nicht daran, sich durch das sogenannte Stigma zu Neutren erklären zu lassen."
Eine Autorin aus Österreich sieht es für sich selbst so: "Blind sein bedeutet einfach nur, nicht sehen. Jeder, der seine Augen schließt, ist blind, aber ist er in diesem Moment wirklich anders oder behindert?"
Blind zu sein, sei einfach nur eine Eigenschaft wie blond zu sein oder besonders klein. Niemand würde nach Einschätzung der blinden Österreicherin "auf die Idee kommen, dass solche Eigenschaften bestimmend sind und einen vom Rest der Gesellschaft unterscheiden, obwohl doch ein besonders kleiner Mensch auch manchmal Hilfe braucht, um etwas von weit oben zu holen."
Sie freue mich deshalb besonders, zu einem Buch beitragen zu können, das es sich zum Ziel gesetzt hat, das Bild von blinden Frauen zu verändern und Klischees aufzubrechen: "Alle behinderten Frauen möchte ich ermutigen, an ihre Schönheit zu glauben, sich sexy zu kleiden und ihr Frau-Sein zu leben."
Herrmann wünscht sich, "durch dieses Buch diejenigen Frauen auf den roten Teppich zu locken, bei denen die Gesellschaft es geschafft hat, ihnen ihr Urgefühl der Weiblichkeit zu rauben". Wenn dieses Buch bewirke, dass blinde Frauen in sich forschen und ihre naturgegebene Weiblichkeit und Schönheit wieder suchen, entbuddeln, das Stigma von außen abtragen und beginnen, neu zu erstrahlen, dann habe sie persönlich ihr Ziel mit diesem Buch erreicht.
pm: Captain Handicap
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