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Nadeschda gibt Hoffnung


Projekt zur Suchtberatung russischsprachiger Menschen

10.02.2008 (atn)
Ein knappes Jahr nach dem Start des Projektes „Nadeschda“ - Hoffnung - informierte sich der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern am Freitag (8. März) beim Blauen Kreuz in Marburg über die Fortschritte dieses Sucht-Beratungsangebotes für russischsprachige Menschen.

An drei Tagen in der Woche bietet das Blaue Kreuz mit einer Sozialpädagogin allen russischsprachigen Menschen, insbesondere aber Suchtgefährdeten, Suchtkranken und deren Angehörigen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Beratung in ihrer Muttersprache an. Nach Auskunft des Blauen Kreuzes werde das Projekt gut angenommen. Es zeige sich, dass auch in Zukunft ein eigenständiges russischsprachiges Beratungsangebot nötig ist.

„Russischsprachige Angehörige und Betroffene sind dankbar, in ihrer Muttersprache und mit dem Verständnis ihrer Kultur über ein Problem sprechen zu können“, stellte Dr. McGovern fest. Das Projekt sei ein wichtiger Baustein der Beratungsangebote im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

In Deutschland leben etwa 2,8 Millionen muttersprachlich russisch sprechende Menschen, von denen 140.000 als behandlungsbedürftig suchtkrank eingeschätzt werden. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf leben rund 10.000 Menschen aus den GUS-Staaten. Das Blaue Kreuz rechnet somit mit etwa 500 behandlungsbedürftig Suchtkranken im Landkreis.

„In den Herkunftsländern der russischsprachigen Bevölkerung spielt regelmäßiger Alkoholkonsum eine andere Rolle als in Deutschland. Dem Konsum von Wodka werden traditionelle Werte zugeschrieben“, erläuterte der Leiter der Suchtberatungsstelle des Blauen Kreuzes, Georg Kalb. Insbesondere der Alkoholmissbrauch werde dort weniger als Krankheit angesehen. Vielmehr werde er als Unkontrolliertheit und Schwäche eingestuft. „Alkoholprobleme werden toleriert und vom Familien- und Freundeskreis über einen langen Zeitraum geduldet“, erklärte Kalb.

Das Verlassen der Heimat und das Übersiedeln nach Deutschland führten vielfach zu einer Entwurzelung und Verunsicherung der Menschen und lösten Identitätskrisen aus. Menschen mit hoher Alkoholgewöhnung setzten den Konsum daher häufig fort oder verstärkten ihn.

„Eine deutschsprachige Beratung aufzusuchen, kam für die meisten nicht in Betracht. Nichtstaatliche und der Schweigepflicht unterliegende Beratungsangebote waren in den Herkunftsländern der russischsprachigen Bevölkerung unbekannt“ McGovern. Die Informationen seien oft nicht vertraulich behandelt und zum Beispiel an den Arbeitgeber weitergegeben worden. „So scheuen russischsprachige Suchtkranke aus Angst vor möglichen gesellschaftlichen, beruflichen und gesetzlichen Repressalien das Aufsuchen einer Beratungsstelle“, sagte Dr. McGovern.

Verständigungsprobleme sprachlicher und kultureller Art erschwerten den russischsprachigen Menschen die Innanspruchnahme von Beratungsangeboten. Dies habe dazu geführt, dass viele russischsprachige Suchtkranke in den letzten Jahren unbehandelt blieben. „Genau hier setzt das Projekt „Nadeschda“ – das russische Wort für Hoffnung – an. Die Hemmschwelle des Sprachproblems wird abgebaut und gleichzeitig Verständnis für die soziale Situation und den kulturellen Hintergrund der Menschen mitgebracht“, betonte Dr. McGovern.
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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