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Jan Schalauske


Jugendarbeit, Studium und Verfassungstreue bei der Linken

13.01.2009 (fjh)
"Ich habe das nie genau ausgerechnet", gesteht Jan Schalauske. "Aber Die Linke müsste irgendwo bei 6,3 Prozent liegen, damit ich in den Landtag käme."
Auf der Landesliste kandidiert Schalauske auf Platz 8. Außerdem ist der 28-jährige Student Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 13.
Ausgesprochen unwahrscheinlich erscheint, dass der gebürtige Lüneburger im Januar 2009 in den Hessischen Landtag einziehen wird. Seine Chancen sind eher noch gesunken, seitdem Misshelligkeiten auch innerhalb der Linken ans Tageslicht gekommen sind.
"Ich bin ausgesprochen betrübt darüber, dass Pit Metz unsere Partei verlässt", erklärt Schalauske. "Ich finde es überaus ärgerlich, dass seine Entscheidung gegen seinen Willen durch eine gezielte Indiskretion trotzdem an die Öffentlichkeit gelangt ist."
Eine Alternative zur vorherrschenden neoliberalen Politik findet Schalauske dringend notwendig. Deswegen hat er sich schon als Schüler der Jugendorganisation "Solid" angeschlossen. Mit der Mutterpartei PDS mochte er sich damals jedoch nicht so recht anfreunden.
Das änderte sich allerdings, als die Linkspartei PDS mit der Wahlalternative "Arbeit und Soziale Gerechtigkeit" (WASG) zur Partei "Die Linke" fusionieren wollte. In der neuen Partei ist der Student seit ihrem Zusammenschluss aktiv.
Der Wahlkampf fällt mitten in die Endphase seines Examens. Schalauskes Abschlussarbeit ist aber schon weitgehend fertig. Im Februar möchte er sie bei seinem Prüfer Prof. Dr. Frank Deppe abgeben.
"Mein Thema ist die Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften", erläutert der Student. "Man kann deutlich sehen, welche negativen sozialen Auswirkungen diese Politik im Einzelnen hat."
Übertragen kann Schalauske seine Arbeitsergebnisse auch auf die Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. "Gesundheit wurde dadurch zum lukrativen Geschäft, das Gewinne auf Kosten der Beschäftigten und der Patienten abwirft."
Auch in der Einführung von Studiengebühren sieht Schalauske den neoliberalen Ansatz einer Kommerzialisierung von Bildung. Deswegen hat er gemeinsam mit seinen Kommilitonen gegen diese Politik demonstriert.
"Roland Koch wird aber wieder Studiengebühren einführen, wenn er die Wahl gewinnt, selbst wenn die CDU jetzt Anderes behauptet", vermutet er.
Ohnehin sei die Philipps-Universität schon jetzt das Opfer von Sparmaßnahmen und einer Verschulung der Bildung: "Kritische Wissenschaft wird an der Philipps-Universität kaputtgespart. Bachelor- und Master-Studiengänge zwingen zusätzlich zu einer Konzentration auf den Lernstoff, den die jeweilige Studienordnung vorschreibt."
Eine Auseinandersetzung mit der Situation an der Uni hat Schalauske bereits im Herbst 2007 angezettelt. Damals hat er im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) gemeinsam mit Gleichgesinnten die Veranstaltungsreihe "Hessen hinten" organisiert.
Seine damalige Analyse ist ein Grund, warum Schalauske bei den Linken kandidiert: Ein Politikwechsel in Hessen ist nur unter Beteiligung der Linken möglich."
Wert legt der Politologe dabei auch auf die Hessische Verfassung. "Wir müssen die fortschrittlichen Elemente dieses Textes wieder ins Gedächtnis rufen, auf den sich nach den schlimmen Erfahrungen mit dem Faschismus Sozialdemokraten, Kommunisten, Liberale und linke Christdemokraten geeinigt haben."
Wichtig ist ihm aufgrund der deutschen Geschichte auch ein konsequenter Kampf gegen Faschismus. "Diese Auseinandersetzung muss in erster Linie in der Gesellschaft gefhrt werden, aber ich halte auch ein Verbot der NPD für notwendig."
Es könne nicht angehen, dass die "Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD) mit Steuergeldern finanziert wird, findet Schalauske. "Sie ist eindeutig eine verfassungswidrige Partei."
Die Linke hingegen sei "die einzige Partei in Hessen, die sich konsequent zu den Zielen der Hessischen Verfassung bekennt". Umso ärgerlicher findet der Student das Urteil des Hessischen Staatsgerichtshof, der Studiengebühren mehrheitlich akzeptiert hat. "Ich habe großen Respekt vor den Richtern, die ihr Minderheitsvotum dazu sehr klar und verfassungskonform begründet haben."
Seine eigenen Positionen stellt er nur zum kleineren Teil im Internet dar. "Meine Internetseite www.jan-schalauske.de ist im Trubel des Wahlkampfs ein wenig zu kurz gekommen", bekennt er. "Aber es gab einfach Wichtigeres."
Franz-Josef Hanke
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