12.01.2009 (fjh)
"An einem einzigen Tag wurde an der Wallstreet so viel Geld verbrannt, wie nötig gewesen wäre, um die Millenniumsziele der UN zur Armutsbekämpfung bis 2020 zu verwirklichen", stellt Dr. Thomas Spies ernüchtert fest. "Wäre dieses Geld nicht vernichtet worden, hätte man damit den Hunger in der gesamten Welt beseitigen können!"
Die Sozial- und vor allem die Gesundheitspolitik sind Arbeitsgebiete von Spies. Der 46-jährige Arzt vertritt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) im Hessischen Landtag. Auch am Sonntag (18. Januar) bewirbt er sich wieder um das Direktmandat im Wahlkreis 13.
"Ärzte und Juristen ticken vollkommen unterschiedlich", erklärt Spies. "Beide benutzen die selben Ausdrücke, verstehen aber etwas völlig anderes darunter."
Hier kommt dem Arzt zugute, dass er während seiner Studienzeit auch ein paar Semester Jura studiert hat.
Der gebürtige Marburger legt Wert darauf, dass Bildung nicht schmalspurig stattfindet. Er selbst hat neben Medizin und Jura auch Vorlesungen verschiedener anderer Fachrichtungen gehört. "Einmal quer durch die Universität", berichtet er begeistert.
Dieser Ansatz werde nach Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge gefährdet: "Dadurch verkommt die Universität zur Berufsschule, obwohl sie eigentlich Methoden des Lernens und des Wissenserwerbs vermitteln sollte."
Bildungspolitik sei in Marburg natürlich zwangsläufig ein Thema. Vehement wendet sich Spies gegen den Verkauf des Universitätsklinikums Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum-AG: "Das medizinische Personal steht dort jetzt noch viel stärker unter Druck. Darunter leidet natürlich die Qualität der Versorgung von Patienten."
Nach den Erfahrungen mit der Finanzkrise hält der Arzt eine Privatisierung von Krankenhäusern für unverantwortlich: "Jeder private Manager muss in erster Linie Kosten sparen. Deswegen wird er Sicherheitsregelungen bis an die niedrigste Kante herunterfahren, die er noch irgendwie vertreten kann."
Um die Sicherheit im Krankenhaus sicherzustellen, setzt sich Spies im Hessischen Landtag für Mindeststandards auch bei der Personal-Ausstattung ein.
Gemeinsam mit Andrea Ypsilanti und Thorsten Schäfer-Gümbel hat Spies das Modell einer Bürgerversicherung ausgearbeitet, das die SPD dann auf einem Bundesparteitag auch mehrheitlich angenommen hat. "Es war schon ein befriedigendes Gefühl, die Bürgerversicherung gegen die Intervention des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder durchzubringen", gesteht er.
Als stellvertretender Vorsitzender der bundesweiten Gesundheits-Arbeitsgruppe seiner Partei und vor allem als Landtagsabgeordneter ist der Vater eines 16-jährigen Sohnes zeitlich stark eingespannt. Für Hobbys bleibt da nur wenig Zeit.
"Ein Hobby ist, dass ich einmal im Monat Notarztwagen fahre", berichtet Spies. "Das tue ich auch, um meinen Leuten in Wiesbaden zu zeigen: Ich kann auch anders!"
Ihm ist es wichtig, notfalls der Berufspolitik den Rücken kehren und in seinen angestammten Beruf zurückgehen zu können. "Dieses Mandat ist eine Delegation", erläutert der Parlamentarier. "Ich bin ja nicht im Landtag, weil ich allein dafür gekämpft habe. Jedes Wochenende stehen Hunderte von Sozialdemokraten an Ständen und opfern ihre Zeit dafür."
Deswegen sei klar, dass der Abgeordnete sich an Beschlüsse seiner Parteigremien zu halten hat: "Wenn ich etwas nicht mittragen kann, muss ich mein Mandat zur Verfügung stellen und zurücktreten."
Die verfassungsrechtlich verbriefte Gewissensfreiheit des Abgeordneten sieht Spies vor allem in seiner vollkommenen Unabhängigkeit gegenüber der Regierung und irgendwelchen Weisungen von dort. Gegenüber der Partei hingegen fühlt er sich zu Loyalität verpflichtet.
Deswegen ist er auch verärgert über die vier Fraktionsmitglieder, die der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti ihre Stimme bei der Wahl zur Hessischen Ministerpräsidentin verweigert haben. "Wenn sie aus Gewissensgründen nicht mitstimmen konnten, hätten sie zurücktreten sollen!"
Diese Unabhängigkeit möchte Spies sich selbst bewahren. Dabei empfindet er das Parlamentarier-Dasein als etwas sehr Passendes: "Als ich zum ersten Mal in den Kreistag kam, war mir klar, dass es das war, was ich gewollt hatte."
Spies stammt aus einer traditionell sozialdemokratischen Familie. Sowohl sein Vater, der freiberuflich als Bildhauer gearbeitet hat, als auch seine Mutter, die die Familie als Lehrerin ernährt hat, waren jahrelang in der SPD und in der Marburger Kommunalpolitik aktiv.
Bereits mit 17 Jahren trat auch er der SPD bei. Als erster Nachrücker kam er im September 1999 in den Hessischen Landtag.
Sein sozialpolitisches Engagement nimmt Spies auch praktisch ernst. Seine Internetseite
www.thomas-spies.de ist getreu den Anforderungen an Barrierefreies Webdesign mit Sprungmarken ausgestattet.
Franz-Josef Hanke
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