12.01.2009 (fjh)
"Dieses Buch hat mehr als 1.000 Seiten. Von der ersten bis zur letzten Seite schämt man sich."
Eindrucksvoll beschreibt Frank Gotthardt seine Gefühle bei der Lektüre des Buchs "Hundert Tage" von Lukas Behrfuß. Das Buch behandelt den Völkermord in Ruanda. Es war Gotthardts letzte Lektüre vor der hessischen Landtagswahl 2009.
"Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu Afrika", verrät der CDU-Landtagsabgeordnete: "Meine Frau ist in Afrika geboren worden. Ihre Eltern haben damals dort gelebt."
Neben seiner Liebe zu Afrika nennt Gotthardt "Sport" und "Lesen" als seine Hobbys. Viel Zeit findet der CDU-Kreisvorsitzende dafür aber nicht. Dicht gedrängt ist sein Terminkalender
im Vorfeld der Landtagswahl am Sonntag (18. Januar).
Den neuerlichen Wahltermin nach nur einem Jahr seit dem letzten Urnengang findet er notwendig: "Man sollte dem Bürger eine Chance geben, den landespolitischen Stillstand zu beenden."
Käme dabei aber wieder ein ähnliches Ergebnis heraus wie im Januar 2008, "dann werden wir damit umgehen und das Beste daraus machen müssen", meint Gotthardt. Doch sieht er eine reale Chance, dass nach der Wahl eine handlungsfähige Landesregierung zustande kommt.
"Wir haben aus unseren Fehlern gelernt", beteuert Gotthardt. Als "Fehler" benennt der 38-jährige Betriebswirt die Einführung von Studiengebühren und die Schulpolitik.
Roland Kochs Kampagne für "eine schärfere Bestrafung jugendlicher Gewalttäter" hingegen hält Gotthardt nicht für einen Fehler. Vielmehr seien seine Äußerungen im Wahlkampf 2008 missverstanden worden. Der CDU-Landesvorsitzende habe auf die Notwendigkeit eines veränderten Umgangs mit gewalttätigen Jugendlichen hinweisen wollen. Dieses Ansinnen habe eine Initiative des Bundesrats später auch einmütig aufgegriffen.
Als wichtige Aktivitäten in seinem Wahlkreis verspricht Gotthardt ein Eintreten für den beschleunigten Ausbau der Infrastruktur. Das seien nicht nur Autobahnen wie die A44 und Straßen, sondern auch die Eisenbahn.
Ein Ausbau der Breitband-Verkabelung sei für die Wirtschaft indes ebenso unerlässlich, erklärt Gotthardt. Ohne leistungsstarken DSL-Anschluss könne sich heute kein Unternehmen mehr im ländlichen Raum behaupten.
Die Wirtschaft liegt dem Bundesvorstandsmitglied der CDU-Mittelstandsvereinigung sehr am Herzen, denn von 1990 bis 1994 hat er an der Philipps-Universität Betriebswirtschaft studiert. Von 1992 bis 1993 setzte der gebürtige Marburger sein Studium an der Université Pierre-Mendès-France im schweizerischen Grenoble fort. In den Jahren 1999 und 2000 war Gotthardt schließlich Trainee bei der SGZ-Bank in Frankfurt.
Bereits mit 18 Jahren schloss er sich der Jungen Union (JU) an. Zwei Jahre später wurde er dann auch Mitglied der Christlich-Demokratischen Union (CDU).
Mit nur 24 Jahren zog Gotthardt 1995 als jüngster direkt gewählter Abgeordneter in den Hessischen Landtag ein. Dort vertrat er den Wahlkreis 13.
Von 1999 bis 2001 fungierte er als umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Von 2001 bis 2003 war er Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium.
Zur Zeit ist Gotthardt stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und Mitglied im Präsidium der CDU Hessen. Schon seit 2002 ist er Vorsitzender des CDU Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf. Im selben Jahr wurde er in den Landesvorstand der CDU Hessen gewählt.
Seit 1997 ist Gotthardt Mitglied des Kreistags Marburg-Biedenkopf. Von 1999 bis 2003 war er zudem Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen.
"Vieles hat sich seit der letzten Wahl nicht geändert", gesteht Gotthardt freimütig. Wer mehr über ihn wissen wolle, dem empfiehlt er seine Internetseite
www.frank-gotthardt.de.
Bezüglich seiner Aussichten, auch dem nächsten Landtag wieder anzugehören, ist Gotthardt zuversichtlich. Ganz grundlos ist diese Einschätzung sicherlich nicht.
Franz-Josef Hanke
Text 1669 groß anzeigenwww.marburgnews.de