11.02.2008 (sts)
"Noch heute Morgen hat mir eine Frau anvertraut, dass sie mit niemandem in ihrer Familie über die Pflege ihres demenzkranken Mannes sprechen kann. Genau hier könnte ein Pflegebegleiter von großem Nutzen sein", berichtete Dietlinde Stowasser von der Diakonie Cappel-Ebsdorfergrund. Auf Initiative der Alzheimer- Gesellschaft Marburg-Biedenkopf findet ab Montag (7. April) ein Vorbereitungskurs zum Aufbau eines Pflegebegleiter-Netzwerks statt.
Das Modellprojekt zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung wird vom Forschungsinstitut für Geragogik in Viersen und vom Verband der Angestelltenkrankenkassen in Siegburg finanziert.
"Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zuhause betreut, meistens von Frauen. Viele von ihnen sind mit Pflege und Haushalt überlastet", schilderte Angela Schönmann von der Alzheimer-Gesellschaft die Ausgangslage.
Zudem bestehe die Gefahr der Vereinsamung, da sich Freunde und Bekannte von der Pflege- und Krankheitssituation überfordert fühlen und zurückzögen.In all diesen Fällen kann sich ein freiwilliger Pflegebegleiter als Vertrauensperson für pflegende Angehörige erweisen.
Sein Aufgabengebiet reicht vom einfachen Zuhören über die Erledigung von Behördengängen bis hin zum konkreten Informieren über Beratungsstellen oder Zuschussmöglichkeiten. Die aktive Unterstützung in der Pflege selbst zählt ausdrücklich nicht zum Arbeitsbereich des Pflegebegleiters.
"Allein die Wertschätzung der Pflegetätigkeit, die Anerkennung des Engagements für einen Angehörigen hilft schon, die Pflegesituation insgesamt zu verbessern", sagte Schönmann. Der Pflegebegleiter soll dabei als Bindeglied zwischen Haushalt und professioneller Hilfe fungieren.
Für den 60-stündigen Vorbereitungskurs mit zwei Exkursionen suchen die Organisatoren rund 15 Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Verpflichtung, im Anschluss auch tatsächlich als Pflegbegleiter tätig zu werden, besteht nicht.
Neben Informationen über Pflege allgemein, Leistungen der Pflegeversicherung und Anlaufstellen dient der Kurs auch dazu, die persönliche Haltung gegenüber Krankheit, Alter und Leid zu überprüfen und zu entwickeln. Im vergangenen Jahr haben im Hinterland bereits 18 Menschen an einem solchen Kurs teilgenommen.16 von ihnen sind nun als Pflegebegleiter tätig.
Da ist es von Vorteil, dass die Alzheimer-Gesellschaft die Freiwilligenagentur Marburg sowie das Diakonische Werk Oberhessen (DWO) als Kooperationspartner gewinnen konnte. Die Agentur kann Leute auf der Suche nach freiwilligem Engagement an das Projekt Pflegebegleiter verweisen. Das Diakonische Werk hat durch Gesprächskreise gute Kontakte zu pflegenden Angehörigen.
"In diesen Gesprächskreisen für Betroffene fehlt uns aber letztlich die persönliche Nähe zum Einzelnen, um alle Alltagsprobleme lösen zu können", sagte Ingrid Labitzke vom DWO. Daher sei das Projekt Pflegebegleiter "ein Mosaikstein auf dem Weg zu einem neuen sozialen Netzwerk", wie Doris Heineck von der Freiwilligenagentur es abschließend formulierte.
Stephan Sonntag
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