31.12.2008 (fjh)
Auf internationaler, Bundes-, Landes- und auf kommunaler Ebene lässt sich im Jahr 2008 je ein herausragendes Ereignis ausmachen. Weltweit war es die Wirtschaftskriese, die sich zunächst durch eine Schieflage der Banken angekündigt hatte. Bundesweit war es die intrigante Entmachtung des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck. Landesweit war es die letztlich erfolgreiche Verhinderung einer hessischen Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti mit nahezu allen Mitteln.
Wichtigste kommunalpolitische Nachricht Marburgs im Jahr 2008 war der Erlass der städtischen Solar-Satzung. Auch wenn der Gießener Regierungspräsident Wilfried Schmid das von der rot-grünen Stadt-Koalition und den Linken in der Statdtverordnetenversammlung am Freitag (20. Juni) verabschiedete Regelwerk wegen mangelhafter Rechtsgrundlagen für ungültig erklärt hat, brachte allein schon dieser Beschluss einer flächendeckenden solaren Baupflicht die
Stadt Marburg weltweit in die Schlagzeilen. Selbst in der "New York Times" und in "Le Figaro" erschienen Berichte über die Marburger Solar-Satzung.
Bundesweit war Marburg damit die erste Stadt mit einer mehrheitlich beschlossenen solaren Baupflicht. Dafür erhielt die Stadt den Deutschen Solarpreis 2008.
Ebenfalls bundesweit Aufsehen erregt hat das - bereits im Dezember 2007 in Kraft getretene - Alkoholverbot rund um den Elisabeth-Blochmann-Platz und die Mensa am Erlenring. Das Mitführen offener Getränkeflaschen mit alkoholischem Inhalt verbot eine städtische Satzung, um dort zunehmenden öffentlichen Besäufnissen von Jugendlichen Einhalt zu gebieten. Entstanden war das Problem, nachdem im neu errichteten "Markt-Dreieck" zwei Lebensmittelmärkte sowie ein weiterer Supermarkt im gegenüberliegenden "Erlenring-Center" ihre Öffnungszeiten bis Mitternacht ausgedehnt hatten.
Nach Ablauf der fünfmonatigen Frist des Alkoholverbots am Mittwoch (30. April) versuchte Oberbürgermeister Egon Vaupel während der Sommerferien es mit einem umfangreichen "Nachtsport-Angebot" für Jugendliche. Damit wollte er die jungen Leute von Marburgs Straßen und Plätzen wegholen. Flankierend dazu gaben die Supermärkte am Erlenring eine Selbstverpflichtungs-Erklärung ab, wonach sie abends keinen Alkohol mehr verkaufen wollen.
Doch auch damit ist das Gebiet rund um den Elisabeth-Blochmann-Platz und den Erlenring noch nicht beruhigt. Nach wie vor strittig sind Pläne, wonach neben dem "Erlenring-Center" auf einem Kleingarten-Gelände unmittelbar an der Stadtautobahn B3A ein Wohnhaus entstehen soll, das Appartments für Studentinnen und Studenten aufnehmen soll. Kritiker werfen der Stadtverwaltung vor, mit einer Genehmigung dieses Gebäudes gegen einen selbst aufgestellten Bebauungsplan zu verstoßen.
Ebenfalls umstritten ist auch die für 2009 angekündigte Erneuerung der Universitätsstraße. Wieder einmal steht Bürgermeister Dr. Franz Kahle in der Kritik, weil er das Fällen von Bäumen befürwortet. Der Grünen-Politiker habe als Baudezernent mittllerweile schon mehr Marburger Bäume auf dem Gewissen als jeder andere Kommunalpolitiker vor ihm!
Einlenken musste Kahle nach öffentlichem Druck bei der Trauerweide südlich der
Elisabethkirche. Nachdem sich heftiger Protest gegen das geplante Abholzen des Baumes artikuliert hatte, wurde die Trauerweide bei der Umpflasterung des südlichen Bereichs der gothischen Kirche ausgespart.
Von Anfang August bis Ende Oktober 2008 wurde der Bereich zwischen der Elisabethkirche und der Deutschhausstraße mit ebensolchen Basaltsteinen aus Indien gepflastert wie zuvor bereits der Bereich vor ihrem Hauptportal. Für 2009 ist dann auch die Pflasterung der Flächen nördlich der Kirche geplant.
Wieder einmal geht hier ein Stück des altehrwürdigen Charmes von Marburg verloren. Nicht alles, was neu ist, muss deswegen auch besser sein als der vorherige Zustand.
Anders verhält es sich jedoch mit einer anderen "Neu-Erwerbung" der Stadt. Einen neuen Ehrenbürger hat Marburg im Jahr 2008 hinzubekommen: Der ehemalige Behring-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gerhard Schwick ist nun neben Alt-Oberbürgermeister Dietrich Möller und dem DVAG-Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Reinfried Pohl der dritte lebende Ehrenbürger Marburgs. Verliehen wurde Schwick die Ehrung am Samstag (5. April) zu seinem 80. Geburtstag im Rahmen einer Feierstunde an seinem einstigen Wirkungsort in den Behringwerken.
Franz-Josef Hanke
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