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Bildung 2008


Ohne Studiengebühren regiert der Rotstift die Uni

31.12.2008 (fjh)
Mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken hat der Hessische Landtag die umstrittenen Studiengebühren wieder abgeschafft. Zwar müssen die Studierenden im Wintersemester 2008/2009 keine Gebühren mehr entrichten, doch sehen sie sich stattdessen mit rigiden Sparmaßnahmen an ihren Instituten konfrontiert.
Vor allem in zwei Richtungen haben Studierende im Jahr 2008 um den Erhalt eines qualitativ hochwertigen Angebots an der Philipps-Universität gekämpft. Zum Einen setzte sich eine Gruppe von Politik- und Philosophie-Studierenden für den Erhalt der kritischen Wissenschaft in Marburg ein. Nach der Emeritierung von Prof. Dr. Reinhard Kühnl, Prof. Dr. Georg Fülberth und Prof. Dr. Frank Deppe waren ihre Stellen entweder nicht wieder mit gleichermaßen profilierten Vertretern der kritischen Theorie oder aber gar nicht mehr neu besetzt worden.
Daneben kämpfen Marburger Studierende auch um bessere Arbeitsbedingungen für studentische und für wissenschaftliche Hilfskräfte. Dabei mahnen sie vor allem die Einhaltung der einschlägigen arbeitsrechtlichen Standards an.
Der Rotstift regiert indes die derzeitige Ausrichtung der wissenschaftlichen Arbeit. Wer nicht Drittmittel in größerem Umfang einwirbt, der muss um seine Forschung bangen.
Mitunter erhalten Marburger Forscher oder Projekte mit Marburger Beteiligung sogar Millionenbeträge von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder anderen Geldgebern. Schwerpunkt dieser Förderung sind allerdings naturwissenschaftlich-technische, medizinisch-biologische oder sehr praxisorientierte sprachwissenschaftliche, juristische sowie wirtschaftswissenschaftliche Projekte.
Medizinische Forschung an den Gießener und Marburger Fachbereichen hat im Jahr 2008 erstmals Fördermittel der neu gegründeten Von-Behring-Röntgen-Stiftung (BR-Stiftung) erhalten. Damit schüttet das Land Hessen Zinserträge aus den Verkaufserlösen für das fusionierte Universitätsklinikum Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum AG an die dort tätigen Forscher aus.
Geringere Chancen einer üppigen Finanzierung erhalten hingegen Geisteswissenschaftler. Lediglich die recht praxisorientierte Friedensforschung am Zentrum für Konfliktforschung (ZfK) steht in Marburg weiterhin als Leuchtturm einer kritischen Wissenschaft. Sprach- und Kulturwissenschaften konzentrieren sich in ihrer öffentlichen Darstellung mittlerweile weitgehend auf die Film-Wissenschaft und den alljährlichuntr großer öffentlicher Aufmerksamkeit verliehenen "Marburger Kamerapreis". Die nächste Runde dazu steht bereits zu Beginn des Jahres 2009 an.
Weiter voran schreiten derweil die Planungen zur Errichtung eines neuen "Campus Firmanei". Freunde des Alten Botanischen Gartens bangen deswegen schon um die Zukunft dieses biologischen Kleinods am Pilgrimstein.
Gleichzeitig gerät aber auch der Neue Botanische Garten auf den Lahnbergen immer stärker untr wirtschaftlichen Druck. Nachdem seine frühere Funktion als Lehrgarten für angehende Botaniker im Zeitalter der Molekularbiologie immer weiter in den Hintergrund getreten ist, erhöht die Hessische Landesregierung den Druck auf die Einrichtung, einen höheren Anteil ihrer Kosten selbst zu refinanzieren. Diesen Kampf wird der Botanische Garten 2009 vermutlich in voller Härte durchstehen müssen.
Franz-Josef Hanke
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